Die Lage der Afrikanischen Elefanten ist alarmierend. Das große Töten hält an, die Bestände schwinden in rasendem Tempo. Das Überleben der Grauen Riesen hängt in hohem Maß von politischen Entscheidungen ab.
Zwischen 2010 und 2012 wurden laut PIKE ca. 100.000 Elefanten gewildert. Aktuelle Zahlen lassen darauf schließen, dass die Wilderei unvermindert anhält, verstärkt in Gebieten, die bisher weniger betroffen waren. Regionen wie der Selous (ein zu ca. 80 % von Jagdkonzessionen verwaltetes Gebiet) haben von den ehemals 100.000 Elefanten nur noch 13.000. Die kriminellen Wildererbanden orientieren sich in andere Regionen (Ruaha-Rungwa, nach Mosambik und Sambia).
Elefanten auf Anhang I und II - Warum Split-Listing für Elefanten tödlich ist
Eine Tier- oder Pflanzenart zu unterteilen und in unterschiedlichen CITES-Anhängen zu listen, wird "Split-listing" genannt. Bei den Elefanten ist dies der Fall.
Die Risiken des Split-listing spielen unserer Meinung nach eine große Rolle für den Elfenbeinmarkt, vor dessen Folgen auch die CITES-Kriterien zur Listung einer Art in zwei unterschiedlichen Anhängen warnen.
Auch die Elefantenpopulationen von Namibia, Simbabwe, Südafrika und Botswana, die noch auf CITES Anhang II stehen, müssen dringend in den erhöhten Schutzstatus des Anhangs I aufgenommen werden, in dem sich die Elefanten der ganzen restlichen Welt bereits befinden.
Warum?
Klare Botschaft, einfache Durchsetzung
Eine Listung aller Elefanten auf Anhang I sendet weltweit die dringend notwendige Botschaft über das generelle und dauerhafte Verbot von Elfenbeinhandel, ein deutliches Signal zur Beendigung jeglichen Handels mit Elfenbein. Es gibt dann ganz eindeutig keine Ausnahmen und Grauzonen mehr, und die Durchsetzung des Verbotes wird wesentlich vereinfacht. Experten gehen davon aus, dass die Aussicht, in absehbarer Zeit fände kein legaler Handel mehr statt, die Wilderei und den Schmuggel stark reduzieren würde.
Erwartung künftigen Handels heizen Nachfrage und Wilderei an
Solange den genannten vier Ländern eine Anhang-II-Listung weiterhin erlaubt wird, eröffnet sich die Perspektive auf erneuten, künftigen Elfenbeinhandel nach Ablauf des 9-jährigen Moratoriums, was seit dem Jahr 2017 der Fall ist. Fortgesetzter erlaubter Elfenbeinhandel wird vielen weiteren Elefanten das Leben kosten, denn durch Studien ist belegt, dass allein die Erwartung künftigen Handels die Wilderei anheizt.
Studien von IFAW und Save the Elephants berichten von einem sich stark ausweitenden Elfenbeinhandel nach den Abverkäufen, insbesondere in China. Die Nachfrage stieg u.a. deshalb an, weil der Handel legal war. Damit geht die Zunahme von Wilderei und Schmuggel einher, was auch die ETIS/Traffic-Berichte über die zunehmenden Mengen der Elfenbein-Beschlagnahmungen belegen.
Die damaligen Versuche, durch den legalen Verkauf von Elfenbein-Lagerbeständen der Wilderei beizukommen, sind ganz offensichtlich fehlgeschlagen, wie auch eine Studie aus Princeton/Berkeley belegt.
Demnach ist der Schmuggel mit Elfenbein seit den Einmalverkäufen 2008 um 71 % gestiegen.
Das Argument, Einnahmen aus dem legalen Verkauf von Elfenbein oder lebenden Tieren flössen in den Artenschutz, wird von Experten vor Ort bezweifelt.
Die Mehrheit der afrikanischen Staaten ist für Anhang I
Bei der letzten CITES Conference of Parties 2016 in Johannesburg hatten die 29 Staaten der African Elephant Coalition die Listung aller Populationen auf Anhang I vorgeschlagen und unterstützt. Diese Auffassung wird somit von einer deutlichen Mehrheit der afrikanischen Staaten getragen.
CITES-Kriterium für Anhang I erfüllt!
Die CITES-Kriterien für Anhang I sind mehr als erfüllt. In Punkt C der CITES-Resolution 9.24 (Rev. CoP16) wird etwa „ein signifikanter Rückgang der Population in der Wildnis um 50 % oder mehr in drei Generationen“ genannt. Bei Elefanten wäre dies ein Zeitraum von 75 Jahren.
1980 lebten noch 1,2 Millionen Elefanten in Afrika. Im Jahr 2013 waren es laut der IUCN African Elephant Specialist Group nur noch 401.000 bis 479.000. Das bedeutet einen Rückgang um 61‑66 % in 33 Jahren bzw. 1,3 Elefantengenerationen.
1940 existierten noch ca. 3 bis 5 Millionen Afrikanische Elefanten. Somit ist über drei Elefantengenerationen (75 Jahre) ein dramatischer Rückgang um 84 bis 92 % zu verzeichnen.
Elefanten halten sich nicht an Staatsgrenzen
Die Populationen der Länder einzeln zu betrachten, ergibt keinen Sinn, da Elefanten migrieren und sich bei ihren Wanderungen nicht an Staatsgrenzen halten. Eine Studie von 2017 besagt, dass 76 % aller Afrikanischen Elefanten Grenzgänger sind.
Besonders deutlich und tragisch zeigt sich dies an der Situation in Angola und Namibia: Durch das KAZA-Gebiet ziehen 60 % aller Afrikanischen Elefanten. Sie bestehen aus vermischten Beständen aller Nachbarländer, u.a. Angola. Der Great Elephant Census zählt in Angola selbst aktuell nur noch 3400 Elefanten von einst 200.000, die in den 70er Jahren noch dort lebten. Es ist unverständlich, dass diese letzten, verstörten und von Angst getriebenen Tiere, wenn sie vor der Wilderei nach Süden ins angrenzende Namibia (ein Anhang-II-Land) flüchten, dort einem geringeren Schutz unterstellt sind. Am Ende werden sie noch dem „guten Elefanten-Management“ dieser Länder zugeschrieben.
Wüstenelefanten als akuter Sonderfall - teilweise jedoch auf Anhang II ohne speziellen Schutz
Zwei besondere Elefantenpopulationen sind die letzten ca. 350 Wüstenelefanten in Mali/Gourma, die laut MIKE-Report erheblich bedrohter sind als zunächst angenommen, und die Wüstenelefanten im Nordwesten Namibias, deren kleine Population (ca. 180 Tiere) neben dem Mensch-Tier-Konflikt durch Trophäenjäger unter Beschuss steht. Die seltenen Wüstenelefanten zählen zu den Afrikanischen Savannen-Elefanten, sind jedoch speziell an extrem trockene Lebensumstände angepaßt.
Wilderei ist nicht regional begrenzt und zieht nun auch südwärts
Die Wilderei bedroht alle Elefanten. Momentan mögen einige Länder davon weniger betroffen sein – dies kann sich jedoch schnell ändern.
Es liegt auf der Hand, dass Wilderer zunächst dort aktiv werden, wo sie auf geringere Gegenwehr stoßen und zugleich hohe Elefantenbestände vorfinden – so etwa in Tansania. Das Abschlachten hat indes längst auch im südlichen Afrika begonnen.
Steigende Wilderei und sinkende Bestandszahlen von Elefanten werden zunehmend auch aus diesem Bereich Afrikas gemeldet. Belege bietet der MIKE-Report im Dokument CoP17 Doc. 57.5., nach dem die eskalierende Wilderei von Elefanten einen Grund zu großer Besorgnis im Krüger-Nationalpark darstellt.
Dies gilt ebenso für viele Gebiete in Simbabwe. Der MIKE-Report bezieht sich hier auf dramatische Funde im Chewore-Gebiet. Untersuchungen in Simbabwe zeigten weiterhin, dass in den nördlichen Kerngebieten der Elefanten die Populationszahlen um 40‑75 % seit 2001 zurückgegangen sind – insgesamt in Simbabwe um 6 %. Beunruhigend sind ebenfalls Meldungen von mit Zyankali vergifteten Wasserlöchern und von ungesicherten Elfenbeinlagern.
Auch in Namibia wird von zunehmender Wilderei berichtet. Allein zwischen 2014 und Mitte 2017 sollen über 240 Elefanten gewildert worden sein. Der illegale Elfenbeinhandel gewinnt zunehmend an finsterer Bedeutung.
Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre wird offenkundig, dass ein effektiver Schutz vor Wilderei vor Ort nicht vollständig möglich ist.
Die Notwendigkeit der Schließung aller nationalen Märkte
CITES kann nur den internationalen Handel regeln. Die lokalen Märkte werden von jedem einzelnen Staat für sich selbst bestimmt.
Jeglicher legale Markt bietet Schlupflöcher für illegale Ware. Antikes Elfenbein ist von frischem durch Laien kaum zu unterscheiden. Um den gesamten Handel mit Elfenbein zu beenden, muss auch das Pre-Convention-Elfenbein, antike Stücke und Mammut-Elfenbein verboten werden, da auch dieser Handel neben den Schlupflöchern für den Schwarzmarkt den Kunden Legalität von Elfenbeinhandel suggeriert.
Um auch dieses Risiko aus-zuschließen, befürworten wir die Schließung aller lokalen Märkte.
Je schneller diese geschlossen werden, desto mehr Elefanten können am Leben bleiben.
Die Politiker aller Staaten sollten globales Denken ins Zentrum stellen und nicht den Willen, einzelne Märkte zu unterstützen.
Die Zunahme an Beschlagnahmungen in der EU zeigt, dass auch die EU noch besser kontrollieren und das legale Gewerbe stoppen muss. Der EU-Aktionsplan sieht eine Schließung der nationalen Märkte vor.
Zerstörung von Elfenbeinlagern
Elfenbein-Lagerbestände bergen eine Reihe von Risiken: Intransparenz, Schwund mit Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt und Spekulation.
Nachdem beschlagnahmtes Elfenbein gemäß CITES-Vorschriften nicht vermarktet werden darf, ist dessen teure und aufwändige Lagerhaltung völlig sinnlos. Sie lässt einzig den Verdacht aufkommen, dass auf einen Verkauf spekuliert wird, wenn die Spezies ausgerottet ist. Es kann nicht das Ziel eines Landes sein, Spekulation mit Körperteilen hoch gefährdeter Arten zu befeuern und Profit aus der Ausrottung einer Spezies schlagen zu wollen. Stattdessen muss die drohende Ausrottung der Elefanten mit allen Mitteln abgewendet werden.
Um auch hier weiteren Spekulationen auf Ware, die auf den Markt fließen könnte, ein Ende zu setzen und so der Preisentwicklung den Boden zu entziehen, müssen sämtliche Elfenbein-Lagerbestände aller Nationen vernichtet werden.
Auch Deutschland hatte sich 2014 in London bereit erklärt, seine Elfenbeinbestände zu vernichten. Dies ist bisher nicht geschehen. Italien hat im Jahr 2016 ungefähr eine halbe Tonne Elfenbein zerstört. Belgien hat 2014 bereits 1,5 Tonnen zerstört
Zusammenfassung
Weiterhin auf Anhang II und auf lokalen Märkten zu beharren bedeutet eine klare Haltung Pro-Trade, die sich deutlich gegen den Trend abhebt, der gegenwärtig aus Ländern kommt, die bisher den höchsten Elfenbeinkonsum hatten (China, Hongkong und USA) und die im Begriff sind, ihre Märkte zu schließen.
Der Verein Future for Elephants e.V. fordert alle Länder auf, sich in der Artenschutzkonferenz entschieden gegen eventuelle künftige Anträge auf Ausnahmeabverkäufe von Elfenbein auszusprechen, die Elefanten aller Länder auf Anhang I zu stufen und ihre lokalen Märkte zu schließen. Auch für Pre-Convention-Elfenbein und Jagdtrophäen muss ein Handelsverbot vorgesehen werden. Elfenbeinlager sollten samt und sonders zerstört werden. Nur so haben die Elefanten eine langfristige Chance auf Überleben.
Die Menschheit hat die Wahl:
Entweder es gibt Elefanten oder es gibt Elfenbeinhandel.
Beides geht nicht.
Quellen:
http://english.cri.cn/12394/2016/06/24/4101s931884.htm
http://www.africanelephantcoalition.org/wp-content/uploads/2016/06/FIVE-AEC-PROPOSALS-TO-CITES-COP-17-TO-PROTECT-ELEPHANTS.pdf
http://www.wwf.gr/en/endangered-species/elephant
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320717303890
http://www.stzelephants.org/census-results-ruaha-rungwa/
https://www.theguardian.com/environment/2015/may/26/poachers-killed-half-mozambiques-elephants-in-five-years
http://news.nationalgeographic.com/2016/04/160406-elephants-wiped-out-alarming-scale-Southern-Africa/
http://oxpeckers.org/2016/03/namibias-secret-ivory-business-6/
http://www.huffingtonpost.com/entry/africa-ivory-china-namibia_us_57755a4ce4b04164640ed1cb?section
http://www.worldwildlife.org/press-releases/wwf-study-ivory-trade-in-hong-kong-could-be-banned-within-two-years-while-government-proposes-a-closure-by-2021
http://www.dw.com/de/der-elfenbeinhandel-auch-25-jahre-nach-dem-weltweiten-verbot-befeuert-er-die-wilderei/a-19034936
http://news.nationalgeographic.com/news/2014/04/140409-elephant-ivory-trafficking-eu-brussels-ifaw-ivory-crushes-world/
https://www.theguardian.com/environment/2015/jul/07/zimbabwe-activists-deplore-sale-of-24-elephant-calves-to-china
http://news.nationalgeographic.com/2016/07/angola-elephants-great-elephant-census-poaching-ivory/
https://www.newera.com.na/2017/07/24/more-than-240-elephants-poached-since-2014/






