Vermarktung von Trophäenjagdreisen auf der Messe „Jagd & Hund“ 2026 in Dortmund

Vermarktung von Trophäenjagdreisen auf der Messe „Jagd & Hund“ 2026 in Dortmund 25.01.2026

Future for Elephants begrüßt grundsätzlich den Dialog über nachhaltigen Artenschutz. Gleichzeitig ist es uns ein zentrales Anliegen, auf die Risiken und die Verantwortung hinzuweisen, die mit der Trophäenjagd auf bedrohte Tierarten verbunden sind, insbesondere auf Elefanten, deren weltweit größte verbliebene Population in Botswana beheimatet ist. Diese Debatte erhält nun zusätzliche Relevanz durch einen aktuellen Bericht über die Jagdquoten in Südafrika („Conservation by the bullet: SA’s hunting statistics and the industrial slaughter of wildlife“), der zu einem klaren Ergebnis kommt: Trophäenjagd wird systematisch als Naturschutz verkauft, ist in der Praxis jedoch eine industrialisierte, kommerzielle Nutzung und Tötung von Wildtieren. Der Artikel hinterfragt die gängigen Narrative der Jagdindustrie und zeigt, dass steigende Abschusszahlen, ökonomische Interessen und eine auf internationale Jagdkundschaft ausgerichtete Vermarktung im Vordergrund stehen, und nicht der langfristige Schutz von Populationen oder Ökosystemen.

Diese journalistische Analyse wird durch aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung untermauert. Eine kürzlich veröffentlichte, auf mehrjährigen Datensätzen basierende Bewertung von Wissenschaftlern aus Botswana kommt zu dem Schluss, dass die festgelegten Jagdquoten für Elefanten erhebliche negative Auswirkungen auf die Populationsstruktur und die ökologische Stabilität haben können (Quelle: EWB https://elephantswithoutborders.org/site/wp-content/uploads/2025-EWB-Hunting_Report-Web-compressed.pdf). Intensive Trophäenjagd destabilisiert die größte verbliebene Elefantenpopulation der Welt und reduziert ihre Widerstandskraft gegenüber ökologischen Belastungen. Die Folgen können weit über die Elefanten hinausreichen und sowohl das Ökosystem als auch lokale Lebensgrundlagen beeinträchtigen. Darüber hinaus weist der Bericht darauf hin, dass die Jagd auf ikonische Tierarten das internationale Ansehen Botswanas als hochgeschätzte Safaridestination gefährden und damit sowohl den Naturschutz als auch den Tourismussektor, immerhin zweitwichtigster Devisenbringer und einer der größten Arbeitgeber im Land, nachhaltig schwächen kann. Entgegen der eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse genehmigte die Regierung am 16. Januar 2026 für das Jahr 2026 die bislang höchste Jagdquote mit 415 Elefantenbullen und verlängerte zudem die Jagdsaison.

Die Messe „Jagd & Hund 2026“ vermittelt fälschlicherweise den Eindruck, ein umfassendes Bild des Artenschutzes im südlichen Afrika abzubilden. Tatsächlich werden jedoch selektiv bestimmte Stimmen hervorgehoben, während kritische Perspektiven zur Trophäenjagd – wie sie aktuell auch in internationalen Leitmedien geäußert werden – weitgehend ausgeblendet bleiben. Dabei existiert in Afrika wie auch international eine vielfältige, fundierte und gut belegte Kritik an der Trophäenjagd aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und betroffenen Gemeinschaften.

Diese Kritik wird seit Jahren von vielen Organisationen deutlich formuliert. So wandte sich etwa das Wildlife Animal Protection Forum South Africa (WAPFSA) - ein nationales Netzwerk von zahlreichen südafrikanischen Organisationen - in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Dortmund und forderte ausdrücklich ein Ende der Vermarktung und Bewerbung von Trophäenjagd-Angeboten auf der Messe „Jagd & Hund“. Dieser Brief wurde von über 90 NGOs, Fachleuten und internationalen Unterstützerinnen und Unterstützern unterzeichnet und kritisiert insbesondere die aktive Bewerbung und den Verkauf von Trophäenjagdreisen im Rahmen der Messe.

Auch aus Deutschland kommt deutlicher Widerspruch: So appellierte z.B. im Januar 2024 Pro Wildlife e.V. an den Oberbürgermeister und Mitglieder des Dortmunder Stadtrats in einem offenen Brief - von 28 Tier- und Artenschutzorganisationen unterzeichnet -, der „tier- und artenschutzwidrigen Form der Jagd“ keine Plattform mehr zu bieten. Kritisiert wird darin insbesondere, dass die Messe als Marktplatz für Trophäenjagdreisen fungiert und damit zur Normalisierung und Kommerzialisierung einer weltweit hoch umstrittenen Praxis beiträgt.

Wenn die Messe von „Veranstaltungen mit Betroffenen“ spricht, stellt sich daher die Frage, welche Gruppen damit tatsächlich gemeint sind. Kaum sichtbar sind bislang nicht-jagdbasierte Gemeinden, Frauen, junge Menschen, Vertreter gemeinschaftsbasierter, nicht-jagdbasierter Tourismusmodelle sowie unabhängige Wissenschaftler, die nicht in jagdbezogene Strukturen eingebunden sind. Gerade diese Perspektiven sind für eine ausgewogene, faktenbasierte Debatte über nachhaltigen Artenschutz von zentraler Bedeutung.

Wir betonen: Afrikanische Staaten entscheiden souverän über die Jagd in ihrem jeweiligen Hoheitsgebiet und unsere Kritik richtet sich weder gegen Botswana, Namibia oder Simbabwe noch gegen deren politische Souveränität. Sie richtet sich vielmehr gegen die Instrumentalisierung afrikanischer Politiker durch eine deutsche Jagdmesse, die diese als politische Legitimation für den Fortbestand der Trophäenjagd nutzt, während wissenschaftliche Erkenntnisse, kritische Medienberichte und breite zivilgesellschaftliche Kritik - auch aus Afrika selbst - systematisch ausgeklammert werden.

Deutschland trägt in diesem Zusammenhang eine besondere Verantwortung. Deutsche Jäger, Importeure, Messen und Genehmigungsbehörden entscheiden darüber, ob eine weltweit umstrittene Praxis wie die Trophäenjagd auf bedrohte Arten hierzulande eine Bühne erhält. Weit über 80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland lehnen die Trophäenjagd auf bedrohte Tierarten ab.

Wir fordern daher:

• Transparenz über Finanzierung, Einladungen und inhaltliche Auswahl bei der „Jagd & Hund“;

• keine Werbung oder Vermittlung von Trophäenjagd auf deutschen Messen;

• wissenschaftlich fundierte Entscheidungen statt einseitiger Lobby-Inszenierungen;

• ein Importverbot für Trophäen bedrohter Arten nach Deutschland.

Fazit: Es geht hier nicht um Einmischung in afrikanische Politik, sondern um die deutsche Verantwortung für eine Praxis, die in Deutschland gesellschaftlich und ethisch von einer überwältigenden Mehrheit abgelehnt wird und zudem hierzulande illegal ist. Die „Jagd & Hund“ 2026 versucht, afrikanische Politiker als Schutzschild zu nutzen. Gleichzeitig zeigen afrikanische und internationale Organisationen, Wissenschaftler sowie kritische Medienberichte immer klarer: Trophäenjagd ist keine Form von Naturschutz, sondern kommerzielle Ausbeutung von Wildtieren.

Quellen und weiterführende Informationen:

Artikel: „Conservation by the bullet: SA’s hunting statistics and the industrial slaughter of wildlife“, Januar 2026
https://www.dailymaverick.co.za/article/2026-01-21-conservation-by-the-bullet-sas-hunting-s-statistics-and-the-industrial-slaughter/

Artikel “Botswana elephant hunting under scientific review”
https://africageographic.com/stories/botswana-elephant-hunting-under-scientific-review/

Artikel “Botswana’s huge elephant gamble could destroy its ‘conservation reputation’, say scientists”
https://www.dailymaverick.co.za/article/2025-12-16-botswanas-huge-elephant-gamble-could-des-destroy-its-conservation-reputation-say/

Offener Brief der Wildlife Animal Protection Forum South Africa (WAPFSA) zur Vermarktung/Trophäenjagd-Angebote auf der Messe „Jagd & Hund“'
https://www.oipa.org/international/jagd-und-hund-letter-major-dortmund/?utm_source=chatgpt.com

„Angebot von Jagdreisen auf der Messe ›Jagd & Hund‹“ – Offener Brief von Pro Wildlife e. V. im Namen von 28 Tier- und Artenschutzorganisationen
https://www.prowildlife.de/wp-content/uploads/2024/01/brief-jagd-hund-2024.pdf?utm_source=chatgpt.com

Pressemitteilung DNR: Importverbot für Jagdtrophäen gefährdeter Arten gefordert
https://www.dnr.de/presse/pressemitteilungen/importverbot-fuer-jagdtrophaeen-gefaehrdeter-arten-gefordert

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