Gibt es zu viele Elefanten?

AFRIKA

In den meisten afrikanischen Ländern gibt es – im Wesentlichen bedingt durch die anhaltende Wilderei – zu wenig Elefanten. Deren Anzahl ist so niedrig wie niemals zuvor und sie geht weiter zurück. Gab es 1900 noch ca. 10 Mio. Dickhäuter, so waren es 1979 lediglich 1,3 Mio. Mittlerweile wurde auch diese Population dezimiert auf aktuell nur noch ca. 415 000, lokale Quellen gehen von nur noch 350 000 bis 400 000 Elefanten aus.

Eine neue Studie zeigt auf, dass die Elefantenbestände in den afrikanischen Schutzgebieten nur 25 Prozent dessen betragen, was unter den dortigen Lebensbedingungen zu erwarten wäre. Mit anderen Worten: In den 73 großen Schutzgebieten Afrikas ist ausreichend Platz und Nahrung vorhanden für weitere 730 000 Savannenelefanten.

Elefanten sind die wandernden „Gärtner“ Afrikas

Die Behauptung, es gäbe im südlichen Afrika zu viele Elefanten, beruht vor allem auf der Theorie der „Carrying Capacity“. Die Tragfähigkeit gibt die Maximalzahl von Tieren an, die eine Umgebung mit deren Ressourcen bewältigen kann. Diese Theorie stammt allerdings aus der Landwirtschaft und Viehzucht. Elefanten leben jedoch in komplexen und dynamischen Ökosystemen. Die Idee der Tragfähigkeit kann in diesen sehr variablen Systemen nicht seriös angewendet werden. Trotzdem benutzen einige Länder diese Theorie weiterhin als Argumentation, vor allem, um das Töten von Elefanten für kommerzielle Zwecke (Elfenbeinhandel, Trophäenjagd) zu rechtfertigen, oder, wie Zimbabwe, um wilde Elefanten einzufangen und an Zoos in China zu verkaufen.

In Berichten über angeblich "zu viele" Elefanten in Afrika liest man oft, dass die Vegetation unter den zahlreichen Dickhäutern leide und die Elefanten den Wald zerstören würden. Gemäß der Tragfähigkeits-Theorie wird behauptet, dass bei einer Dichte von 0,2 Elefanten pro km² die Wälder geschädigt und bei 0,5 pro km² vollständig dezimiert werden würden. Unabhängig davon, dass die Tragfähigkeits-Theorie nicht für komplexe Ökosysteme gilt, muss man berücksichtigen, dass der Wald im südlichen Afrika in den letzten 100 Jahren nur deshalb so stark wachsen konnte, weil es dort aufgrund der exzessiven Bejagung der Elefanten bis zum 20. Jahrhundert nur noch wenige Tiere gab. In der Zeit davor war die Region deutlich geringer bewaldet. Für die Biodiversität, d.h. für eine Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, sind unterschiedliche Landschaftsformen nötig, also auch Savannen und offene Flächen.

Elefanten werden als „Nature’s Gardeners“ bezeichnet. Die größten Landsäugetiere der Welt sorgen mit ihren mächtigen Dungballen für eine wirksame Düngung und tragen somit effektiv zur Fruchtbarkeit der Erde bei. Da Elefanten insbesondere wegen der Suche nach Wasser und Nahrung wandern, können ihre Streifgebiete in trockenen Regionen bis zu mehreren tausend Quadratkilometern betragen. Entsprechend weit verbreiten die Dickhäuter somit alle in ihrem Dung enthaltenen Samen zahlreicher Pflanzen.

Es gibt viele Beispiele, wie Elefanten verschiedene Landschaftsformen und unterschiedliche Tierarten durch ihre Existenz unterstützen und erhalten. Studien dokumentieren darüber hinaus den Beitrag der Elefanten für das Klima, insbesondere durch die Waldelefanten.

76% der Elefanten leben in grenzüberschreitenden Populationen

Studien zeigen, dass es nicht korrekt ist einzelnen Ländern feststehende Elefantenzahlen zuzuordnen, denn 76% aller Elefanten leben in (eine oder mehrere) Grenze, überschreitenden Populationen. Die Tiere sind beispielsweise je nach Saison in Angola, Sambia oder Botswana – oder andere Herden in Ostafrika in Tansania oder Mosambik zu finden. Oder etwa tagsüber in Namibia und nachts in Botswana. Die Entscheidungen bei CITES werden meist basierend auf den jeweiligen nationalen Populationsdaten gefällt. Dies birgt gerade bei dem „Splitlisting“ große Risiken. Hier haben die Tiere je nach Land einen unterschiedlichen Schutzstatus. Elefanten stehen in Namibia, Botswana, Simbabwe und Südafrika auf Anhang II und im Rest Afrikas auf Anhang I. Mehr dazu hier: https://www.futureforelephants.org/information/die-politik-und-der-elfenbeinhandel

Massenabschuss (Culling)

Es gibt leider auch Beispiele dafür, dass Elefanten in großen Zahlen legal getötet wurden, weil der Mensch in ihnen fälschlich einen Problemverursacher sah.

So wuchs z.B. in den 1960er Jahren die Elefantenpopulation im südafrikanischen Krüger Nationalpark auf rund 7000 Tiere an. Weil Biologen davon ausgingen, dass Elefanten zum Baumverlust beitrugen, wurden groß angelegte Culling-Aktionen (Massentötung) durchgeführt. Erst in den 1990er Jahren hörte man auf, Elefanten zu töten, nachdem sich die öffentliche Meinung gewandelt und CITES den Elfenbeinhandel verboten hatte. Drei Jahrzehnte des Abschlachtens der Dickhäuter zeigten jedoch keinerlei positive Auswirkungen auf den Baumverlust.

In den 1960er Jahren wurden in Simbabwe 40 000 Elefanten getötet, um die Wüstenbildung zu verhindern. Danach stellte sich heraus, dass die Elefanten nicht das Problem waren und das Abschlachten die Wüstenbildung nicht aufhalten konnte.

Massives Bevölkerungswachstum und schlechtes Landmanagement

Im südlichen Afrika beschlossen im Jahr 2006 die Staatschefs der fünf Länder Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe die Einrichtung eines gemeinsamen grenzüberschreitenden Naturschutzgebietes, die sogenannte Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA TFCA). Verschiedene Nationalparks, Reservate und Schutzgebiete sollten durch Korridore zusammengeschlossen werden, um insbesondere den Elefanten eine freie Bewegung in ihrem natürlichen Lebensraum zu ermöglichen. Große Elefantenherden hatten sich z.B. vor dem Krieg in Angola und der massiven Wilderei dort und aus Sambia nach Botswana in das Okavango-Delta geflüchtet. Im März 2012 wurde KAZA mit einem Areal von 520 000 km2 (größer als Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen) als zweitgrößtes Landschaftsschutzgebiet der Erde eröffnet. Das Projekt wird von Deutschland mit über 35 Mio. Euro wesentlich finanziert.

Allerdings bleiben auch hier die Wanderwege teils durch Zäune oder Jagdfarmen und Ansiedlungen versperrt, sodass die Tiere weiterhin in Botswana bleiben. Im Mai 2019 hatte Botswanas neue Regierung angekündigt, das seit 2014 geltende Jagdverbot auf Elefanten aufzuheben. Elefanten werden auch in Namibia, Sambia und Simbabwe von Trophäenjägern gejagt.

Mehr hier:
Rätselhaftes Elefantensterben in Botswana
Elefanten zum Abschuss? Botswana und die Elefantenfrage

„Hohe Elefantenzahlen“ zur Rechtfertigung kommerzieller Nutzung

Wenn man also hört oder liest, es gäbe „zu viele Elefanten“, sollte man auch bedenken, dass einige südafrikanische Länder (Simbabwe, Südafrika, Namibia, Botswana) die Stoßzähne ihrer Elefanten kommerziell nutzen wollen und dass ihre Behauptungen über eine angebliche Überpopulation von Elefanten häufig nur als Argument für künftigen Elfenbeinhandel und zur Rechtfertigung der Trophäenjagd dienen.

Es ist anmaßend zu denken, wir Menschen könnten das Gleichgewicht in der Natur bestimmen und managen. Tatsache ist, dass die Anzahl der Elefanten aufgrund unserer Handlungen dramatisch zurückgegangen ist. Es ist höchste Zeit, die Idee von „zu vielen“ Elefanten in Frage zu stellen!

Fazit: Es gibt nicht „zu viele“ Elefanten, sondern zu viele Zäune, schwindenden Lebensraum und „Landscapes of Fear“ durch Wilderei und Trophäenjagd.

ASIEN

In ganz Asien lebten zum Ende des 19. Jahrhunderts noch über eine Million Elefanten. Heute wird ihre Zahl auf ca. 45.000 wildlebende Tiere geschätzt, die sich in kleinen, oft isolierten Gruppen auf 13 Länder verteilen. Weitere rund 15 000 Elefanten leben unter meist erbärmlichen Bedingungen in Gefangenschaft.

Das gravierendste Problem asiatischer Elefanten ist die Zerstörung ihrer Lebensräume durch das ungebremste Bevölkerungswachstum. Es werden Wälder abgeholzt, Siedlungen und Felder angelegt, Straßen und Bahnlinien gebaut, ohne auf angestammte Elefantenhabitate und Wanderkorridore Rücksicht zu nehmen. Konflikte sind vorprogrammiert, bei denen Elefanten oft erschossen, vergiftet, oder mit Knallkörpern und Feuer erbarmungslos vertrieben werden.

QUELLEN

Debunking myths about the impact of elephants on large trees
theconversation.com/debunking-myths-about-the-impact-of-elephants-on-large-trees-122430

Elephant Carrying Capacity Is An Antiquated Concept
conservationaction.co.za/recent-news/elephant-carrying-capacity-is-an-antiquated-concept/

The final results from Great Elephant Census show 352,271 African savanna elephants in 18 countries, down 30% in seven years.
www.greatelephantcensus.com

State-space models reveal a continuing elephant poaching problem in most of Africa
www.nature.com/articles/s41598-020-66906-w

A Letter to Botswana’s President
africanelephantjournal.com/a-letter-to-botswanas-president/

Savanna elephant numbers are only a quarter of their expected values
journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0175942

Artikel "Natural ruses rule out culling for elephants"
conservationaction.co.za/recent-articles/no-culling-krugers-elephants/

Want to Fight Climate Change? Start by Protecting These Endangered Species
therevelator.org/climate-change-forest-elephants/

The shared nature of Africa's elephants
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320717303890

Asian Elephants
elephantconservation.org/elephants/asian-elephants