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Von Harriet Kügelgen

Anfang März 2018 - Nun bin ich seit einer Woche bei STEP und bin schon jetzt begeistert. 

Nachdem ich vor zwei Stunden in Iringa, Tanzania, angekommen war, sind Maria und ich, Maria ist bei STEP zuständig für das Human Elephant Coexistence Program, zu der größten Farm Ostafrikas gefahren, um uns dort das Honey Collection Centre anzuschauen. 

Dieser Ausflug fand im Rahmen des Beehive Fence Projektes statt, wo an Zäunen, welche an Nationalparks grenzen, Bienenkästen angebracht werden, um Elefanten davon abzuhalten in das Land der Farmer einzudringen und sich an deren landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu bedienen.

Wenn ein solch massives Tier auf deinem Feld steht und unter anderem Dächer von Vorratsräumen aushebt, um an besondere Köstlichkeiten zu gelangen, kommt es vor, dass - zusätzlich zu der zerstörten Ernte - diese Situation weder Mensch noch Elefant gut davonkommen lässt.

Um ein harmonisches Zusammenleben dieser beiden Spezies zu bewahren und die Farmer nachhaltig vor Ertrags-Verlusten zu schützen, wurde das Beehive Fence Projekt ins Leben gerufen.

Die Zäune bestehen aus Drahtseilen, an denen in regelmäßigem Abstand von Spenden finanzierte Bienenkästen angebracht sind.

Wenn nun ein Elefant, alleine oder mit Unterstützung seiner Artgenossen, in einen solchen Zaun reinmarschiert, versetzt er das Drahtseil mit den Bienenkästen in Schwingung. Die bei den Bienen ausgelöste Aufruhr führt zu einem kurzfristigen Ausschwärmen der kleinen, fleißigen Honigbienen. Durch die den Bienen gegenüber instinktive Angst werden die Elefanten abgeschreckt und zum Abwandern bewegt.  

Eine sehr natürliche Art, die Grenze zwischen dem natürlichen Ökosystem und dem vom Menschen bestellten Land zu ziehen.

Nicht nur schützt es Elefanten vor möglichen Konflikten mit Menschen, gleichzeitig entsteht ein für den Farmer lukrativer, nachhaltiger Kreislauf.    

Durch das “Ernten” und den Verkauf des Honigs erlangen die Farmer eine zusätzliche Einnahmequelle und somit eine zusätzliche Sicherheit. Dieser Ertrag führt wiederum zu der Motivation, die Zäune in Stand zu halten, wodurch die ursprüngliche Intention des Projektes, ohne weiter eingreifen zu müssen, dauerhaft erfüllt bleibt.

In der Sao Hill Farm war nun die Idee, sich das Honey Collection Centre anzuschauen. STEP will im Zuge des Bienen Projektes ein Centre für die Farmer errichten, in dem jeder in der Region geerntete Honig gefiltert und verpackt wird. Das errichten eines zentralen Punktes der Honigverarbeitung macht es für die involvierten Farmer einfacher, da größere Mengen verarbeitet werden können, es ist leichter Standards einzuhalten und die nötige Expertise kann gezielt in diesem Centre gefördert werden. 

Es war also ein sehr informativer und ereignisreicher Start in meine Zeit bei STEP und ich freue mich in den verbleibenden Wochen noch vieles mehr kennen zu lernen und selber beizutragen.

Der sofort sehr herzliche Empfang, eine gemeinsame Tasse Tee mit dem von mir aus Deutschland mitgebrachtem Lübecker Marzipan und eine von STEP große Offenheit gegenüber neuen Ansätzen und Ideen haben von Anfang an eine gute Grundlage für eine produktive und kreative Zusammenarbeit gelegt.

Es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Nun war ich schon zweimal auf Safari im Ruaha-Nationalpark und freue mich schon jetzt auf den nächsten Trip dorthin.

Die Vollkommenheit die von diesem gewaltigen Park ausgestrahlt wird, ist nicht nur eine der friedvollsten Erfahrungen, die man machen kann, es lässt dein Bewusstsein für die Schönheit der wilden Natur ganz neu aufleben. 

Zebras und Impalas zu beobachten, die gemeinsam auf der Hut vor den sich anpirschenden Löwen sind, Giraffen zu erspähen, die glauben, wenn sie ihren riesigen Körper hinter dem Gestrüpp versteckt haben, ihr vorlukender Kopf nicht zu entdecken sei, oder die Seeadler zu sehen, welche prachtvoll auf dem Geäst einsamer Bäume Platz genommen haben.

Einer der schönsten Momente war es, als eine Herde Elefanten den von sattem Grün gesäumten Ruaha River zusammen überquerte. Wie aus dem Bilderbuch halten sich die Kleinen, die gerade so groß sind, dass sie mit ihrem Rüssel aus dem Wasser gucken können, an dem Schwanz des größeren Vordermanns fest, bis die Herde sicher auf der anderen Seite des Ufers angekommen ist.  

Das reale Erleben dieser majestätischen Giganten und die einem dort gebotenen Bilder der Natur lassen dir fast keine andere Möglichkeit als sich für das langfristige Überleben dieser so besonderen Spezies und den Erhalt Ihres Lebensraumes einzusetzen. 

In diesem Sinne, zurück zu dem Honig Projekt.

Um das Beehive Fence Projekt dauerhaft am Leben zu halten, sorgt STEP dafür, dass die involvierten Farmer sowohl Training zum Thema Imkern und „best practices“ der Honigproduktion vermittelt bekommen, als auch Unterstützung im Vertriebsprozess erhalten.

Für einen langfristigen Verkaufserfolg muss unter anderem die Qualität des Honigs gesichert sein.

Ein großer Vorteil, den der Honig der Beehive Fences bietet, ist, dass er aus rein natürlichen Gebieten gesammelt wird. Zum Beispiel ist einer der Bienenzäune im Magombera Forest Reserve gelegen, einem zum Reservat ernannten Waldgebiet, welches viele bedrohte Arten wie den Udzungwa Red Colobus Monkey beherbergt. Der daraus entstehende Honig ist somit aus unberührter Natur gesammelt und nicht, überspitzt ausgedrückt, von in straßennähe stehenden, gespritzten Blüten. 

Aufgrund dieser wertvollen Inhaltsstoffe wird der Honig hier auch oft zu medizinischen Zwecken eingesetzt und nicht nur als Genussmittel verwendet. 

Dieser schon auf natürliche Weise hochqualitative Honig bietet also eine grandiose Grundlage für den erfolgreichen Verkauf. 

Neben dem Vertrieb an die lokale Bevölkerung ist dieser spezielle Honig auch ein attraktives Produkt für Touristen. Organisch, regional und zusätzlich sinnstiftend (der elefantenfreundliche Aspekt des Honigs), sind genau die Eigenschaften und Ansprüche, auf die viele Besucher der Nationalparks Wert legen.  

Der perfekte Ort, um den wertvollen Honig an Besucher zu vertreiben, sind natürlich Camps und Lodges. Eines meiner Ziele ist es, Kollaborationen mit diesen aufzubauen und damit dauerhafte Abnehmer für die Farmer zu finden.

Da die meisten Farmer keine Erfahrung darin haben, Vertriebspartnerschaften aufzubauen und das eigene Produkt als begehrenswertes Produkt zu vermarkten, wurde mir die Aufgabe gegeben, durch meinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund hier Grundlagen zu schaffen, um einen langfristigen Erfolg in die Wege zu leiten.

Auch entwerfe ich Marketing-Material wie Flyer, die in den Lodges mit dem Honig ausgelegt werden, um Touristen zu informieren, was hinter dem elefantenfreundlichen Honig steht.

Nicht nur werden dadurch die Besucher über die Thematik der bedrohten Elefanten informiert, durch den internationalen Tourismus wird diese Aufmerksamkeit im besten Falle aus Tansania in viele andere Länder und Gesellschaften weitergetragen.   

Nicht unbedingt spannend zu erzählen aber auch fundamental für ein organisiertes Geschäft sind Dokumente, die sowohl die Menge und Produktionsdaten der Erzeugnisse dokumentieren, als auch den Verkauf dokumentieren um eine Übersicht des Umsatzes aber auch eine Rückverfolgung zu gewähren, mit welcher die Farmer einsehen können, welche Kunden die lukrativsten Abnehmer waren um sich in der nächsten Saison eventuell umzuorientieren.

Es gibt also viele kleine Baustellen, die innerhalb dieses Projektes bearbeitet werden und ich freue mich jeden Tag einen kleinen Fortschritt erzielen zu können.

Wie im ersten Bericht beschrieben möchte STEP ein sogenanntes Honey Collection Centre für die Honig Produktion für die in dem Projekt involvierten Farmer aufbauen. Dieses steht nun kurz vor der Eröffnung. 

Drei Gruppen von Farmern sind in diesem Projekt involviert.

Um den Begriff „Gruppen von Farmern“ zu klären:  als STEP das Beehive Fence Project aufgezogen hat, wurden legal registrierte Farmers Groups gebildet. Dazu muss man verstehen, dass die meisten Bauern keine zig Hektar großen Felder besitzen, wo es ohne Probleme möglich wäre einen 1,5 Kilometer langen Zaun zu bauen und dabei nur mit einem Bauern in Kontakt zu kommen. In Beehive Fence Project von STEP sind sofort mindestens zwei Hände voll Farmer am Land beteiligt, wenn man einen Zaun in dieser Länge baut. 

Da aber die Zäune als Ganzes in Stand gehalten werden sollen, zur richtigen Zeit Honig geerntet oder ein Problem auftaucht, es gleich an allen Bienenkästen behoben werden soll, wurde eine gemeinschaftliche Lösung gefunden, die Farmers Groups. Registriert als Community based Organisation teilen sich diese Farmer einen bank account, haben einen chairman, secretary und treasurer als Verantwortliche und teilen die anfallende Arbeit wie zum Beispiel das regelmäßige Kontrollieren des Zustands der Bienenkästen zwischen sich auf.  

Eine tolle Lösung, um die lokale Gemeinschaft in das Human Elephant Coexistance Program mit einzubeziehen, und auch eine wunderbare Grundlage, um andere Anbau-Aktivitäten gemeinsam anzugehen.

Um nun allen drei Farmers Groups die Grundlage zu geben Equipment zur Honigproduktion parat zu haben, Zugang zu einem trockenen, abschließbaren Ort zu gewähren, um sowohl den rohen als auch abgefüllten Honig sicher zu lagern und zusätzlich einen Ort des Austausches zu schaffen, eröffnet STEP nun das Honey Collection Centre.

Ein großer Vorteil ist natürlich auch das Teilen von Kosten, welches durch die gemeinschaftliche Nutzung entsteht. 

Als Teil der Vorbereitung haben wir kleine Poster mit genauen Schritten zum Verarbeitungsprozess von Honig vorbereitet, Hygiene Anweisungen zum Umgang mit Honig und Equipment und Label zum Bekleben der Honiggläser drucken lassen.

Nur wenn der Honig richtig und hygienisch verarbeitet wird, die Honiggläser ordentlich mit den kleinen Elefanten Labels beklebt werden und dann sorgfältig notiert wird, welche Menge produziert wurde, ist es möglich das Beehive Fence Projekt dauerhaft am Leben zu halten.

Denn nur wenn es in dem Projekt eine Einkommensquelle gibt, kann die Instandhaltung des Zaunes von den Farmern finanziert werden und verhindert werden, dass die Elefanten ihren Weg auf die Felder und in die Dörfer finden. Damit wird natürlich die Einstellung der Bauern den Elefanten gegenüber geprägt, in der entweder ein oder kein Verständnis für den Schutz der Tiere da ist, je nach Erfahrung.   

Es ist interessant zu sehen wie viele unterschiedliche Faktoren Einfluss auf die Situation der Elefanten haben. Wenn man es schafft, ein solches Projekt wie das hier beschriebene durchzusetzen, führt es dazu, dass die Farmer und somit die lokale Bevölkerung, durch Erfahrung geprägt, die Elefanten nicht als schädigend, sondern tatsächlich als Wert bringend ansieht.

Ein heute zu etablierendes Wertschätzen der zu schützenden Grauen Riesen führt im besten Falle dazu, dass die nächste Generation mit diesem mindset aufwächst. Wenn nun die mit den Elefanten in einem Gebiet lebenden Menschen auf „der Seite der Elefanten stehen“, garantiert dies eine viel bessere Grundlage, um den Schutz der Elefanten zu sichern, als eine verbreitete, gleichgültige bis negative Einstellung.

Somit erreicht das Beehive Fence Project mit dem Schutz des Farmlandes und der Verringerung gefährlicher Konflikte zwischen Elefant und Mensch nicht nur einen schnellen und direkten Einfluss; durch das Verändern der Sicht auf den Wert der Elefanten wird ein unglaublich wertvoller, langfristiger Schutz geboten.

Das Honey Collection Centre wird in Udzungwa aufgebaut, einem wunderschönen Regenwaldgebiet, wo STEP sein erstes, immer noch bestehendes Office gegründet hat.

Um das Projekt voranzutreiben und sämtliche Pläne umzusetzen, werden wir für zwei Wochen dort hinreisen, Training zur Honigproduktion geben, zusammen mit den Farmern Verantwortlichkeiten für das Centre verteilen, Business-Pläne aufstellen und natürlich das Centre ausstatten und eröffnen. 

Harriet Kügelgen, März-Mai 2018