Waldelefanten

Waldelefanten – Klimakünstler von Ausrottung bedroht

Der Waldelefant, Loxodonta cyclotis, lebt in den tropischen Gebieten Zentralafrikas und Westafrikas. In größerer Zahl ist er lediglich noch in Gabun, Kamerun, der Republik Kongo und in Liberia zu finden. Der Schutz dieser Populationen ist nicht nur entscheidend für die Zukunft der Art in Zentral- und Westafrika, sondern er ist auch für das Klima von großer Bedeutung.

Der afrikanische Waldelefant ist weniger bekannt als der Savannen-Elefant in Ost- oder Südafrika. Ökologische und politische Hindernisse und sein teils schwer zugänglicher Lebensraum erschweren seine Erforschung und seinen Schutz. Lange wurden Waldelefanten nicht als eigenständige Art angesehen. Aber genetische Studien zeigen, dass sich der Waldelefant deutlich von seinem Savannen-Cousin unterscheidet.

Er ist kleiner und dunkler gefärbt, hat im Allgemeinen kleinere, rundere Ohren und dünnere, geradere Stoßzähne. Er lebt meist in kleinen Gruppen von 2 bis 3 Individuen. Ein zusätzliches Problem für den Fortbestand ist, dass die Waldelefanten längere Fortpflanzungsrhythmen als die Savannen-Elefanten haben: Waldelefanten sind die sich am langsamsten fortpflanzenden Elefanten. Kühe gebären erst ab einem Alter von 23 Nachwuchs, dann nur alle 5-6 Jahre, ca. 5-6 Babies. Eine Verdopplung der Population würde also ca. 60 Jahre dauern[1]. Savannenelefantenkühe bekommen ihren ersten Nachwuchs mit ca. 12 Jahren.

Waldelefanten sind Klimaschützer.

Sie bekämpfen den Klimawandel, indem sie zur natürlichen Kohlenstoffbindung beitragen. Ihr Dung enthält unterschiedliche Baum- und Strauchsamen. Die Tiere verteilen diese über große Distanzen hinweg und schaffen dadurch Nahrung und Unterschlupf für zahlreiche andere Tierarten. Die Biodiversität wird so nachweislich gestärkt. Zusätzlich befreien die Dickhäuter die tropischen Wälder rund um das Kongo-Becken von zuwachsendem Gebüsch – daher auch ihr Ruf als wertvolle Landschaftsgärtner: Die übrig gebliebenen Bäume profitieren von mehr Platz sowie einem besseren Zugang zu Wasser und Licht. Das wirkt sich positiv auf das Wachstum der Pflanzen aus. Je größer ein Baum ist, desto mehr Kohlenstoff kann er speichern. Das Verschwinden der Waldelefanten könnte möglicherweise den Klimawandel beschleunigen.
Forscher haben Erstaunliches herausgefunden: Demzufolge ist es dem tierischen Einsatz der Dickhäuter zu verdanken, dass die Regenwälder Afrikas sogar nachweislich mehr Kohlenstoff speichern als der weltweit größte Amazonas-Regenwald.[2]
Und Simulationen zeigen: In einer Welt ohne Waldelefanten würde etwa sieben Prozent Pflanzenmasse dauerhaft verloren gehen. Das entspricht etwa drei Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Die Kosten, um diese überschüssige Kohlenstoffmenge künstlich einzulagern, wären mit rund 36 Milliarden Euro enorm.[3].

Waldelefant 1

Die Bedrohung
Der starke Rückgang der Waldelefanten in Zentralafrika ist größtenteils eine Folge des beispiellosen Ausmaßes der Wilderei für den illegalen Elfenbeinhandel in den letzten Jahren. Außerdem sind sie durch den Verlust ihres Territoriums durch den Menschen bedroht. Wegen der Abholzung des Regenwaldes (Holzgewinnung, Anbau Kakao oder Palmölplantagen) ist ihr Lebensraum heute bis um 75 Prozent kleiner, als er ursprünglich war. So gibt es etwa in der Elfenbeinküste heute nur noch ca. 200 Elefanten[4].

Den Waldelefanten steht aber eine weitere Bedrohung womöglich erst noch bevor. Die Klimaerwärmung hat messbare Auswirkungen auf die Fruchtproduktion von Urwaldbäumen. Diese ist laut aktueller Studien im „Lope National Park“ in Gabun in den vergangenen 30 Jahren um rund 80 Prozent gesunken. Hungernde Waldelefanten verlassen zunehmend den Urwald, um sich nach Essbarem umzusehen – und geraten dort in Konflikt mit Menschen[5].

Waldelefanten sind noch stärker gefährdet als die Savannen-Elefanten, weil ihre leicht rosa schimmernden Stoßzähne aus noch härterem Elfenbein bestehen, sich filigraner schnitzen lassen und daher bei Elfenbeinhändlern besonders geschätzt sind. Eine weitere Gefahr für die scheuen Waldbewohner ist die Trophäenjagd, die trotz der Gefährdung z.B. in Kamerun weiterhin erlaubt ist.

Forscher stellten 2013 fest, dass die Gesamtbestände der Waldelefanten in Afrika seit 2002 um 65 Prozent gefallen waren. Ursprünglich gab es einmal rund 1,1 Millionen Waldelefanten, heute nur noch 5 bis 10%. Die Zählungen der Waldelefanten sind schwieriger durchzuführen als die der Savannenelefanten. Höhere Schätzungen sind mit Vorsicht zu betrachten: Beispielsweise konzentrierte sich eine Studie in Gabun 2020 auf den Korridor zwischen den Nationalparks Loango und Moukalaba-Doudou, die mit etwa 10.000 Waldelefanten als „Bastion“ galten, schätzungsweise 10 Prozent der Gesamtpopulation. Eine geänderte Untersuchungsmethode deutet jedoch darauf hin, dass nur zwischen 0,47 und 0,80 Elefanten pro Quadratkilometer leben, das entspricht zwischen 3.000 und 6.000 Elefanten in der gesamten Korridorregion. 

Einen abschließenden Überblick wird erst eine zu erfolgende detaillierte Zählung aller Waldelefanten ergeben.(https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0231832https://doi.org/10.1016/j.cub.2017.01.023)
Waldelefant 4

Ein neuer IUCN Status Report ist derzeit in Arbeit und wird erstmals getrennte Zahlen für beide Elefantenarten Afrikas enthalten (die Anerkennung des afrikanischen Waldelefanten als eigene Art durch die IUCN fand erst Ende März 2021 statt, wobei er direkt auf die „rote Liste“ der „akut vom Aussterben bedrohten“ Arten gesetzt wurde).

Es hängt nun von uns Menschen ab, schnell nachhaltige Lösungen zu finden, um das Überleben der Waldelefanten zu sichern. Dabei geht es um ein Ende des weltweiten Elfenbeinhandels, dem Kampf gegen Wilderei und den Schutz von Lebensräumen.

Future for Elephants unterstützt u.a. diese Projekte für den Waldelefantenschutz:

Projekt in Liberia – ELRECO

DRC - Conserv Congo

Quellen: 

[1] https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/waldelefanten-leben-langsam/

[2] Nature Geoscience: "Carbon stocks in central African forests enhanced by elephant disturbance"

[3] Nature Geoscience: "Amazon forest response to CO2 fertilization dependent on plant phosphorus acquisition"

[4] https://www.france24.com/en/live-news/20210428-ivory-coast-sounds-alarm-over-plunging-elephant-population

[5] https://www.fr.de/panorama/klimawandel-waldelefanten-bedroht-dickhaeuter-wilderei-savanne-afrika-90263510.html