Jahresrückblick 2020

Die Corona-Krise hat nicht nur die Lebenssituation vieler Menschen beträchtlich verändert, sondern hatte auch gravierende Folgen für die Elefanten und andere Wildtiere in vielen Ländern.

Blicken Sie mit uns auf das Jahr 2020 und die Situation der Elefanten in Asien und Afrika.

 

In Afrika nimmt die Wilderei zu

Durch das Ausbleiben der Touristen fehlen vielerorts die Einnahmen, und es steht schlagartig weniger Geld für den Naturschutz zur Verfügung. Gleichzeitig sind Wildgebiete in Ermangelung von Besuchern deutlich weniger „unter Beobachtung“, sodass Wilderer leichter zuschlagen können.

Durch Drahtschlinge verletzter Elefant

Aus verschiedenen Regionen erreichten uns Nachrichten über zunehmende Wilderei etwa mit Schlingenfallen, meist mit dem Ziel, Buschfleisch zu erbeuten.

Bedingt durch Lebensraumverlust und anhaltende Wilderei gibt es in den meisten afrikanischen Ländern zu wenig Elefanten. Die Gesamtzahl der Elefanten ist so niedrig wie nie zuvor, und sie sinkt immer weiter. Im Jahr 1900 lebten noch ca. 10 Millionen Dickhäuter auf diesem Planeten, 1979 waren es nur noch 1,3 Millionen. Mittlerweile ist ein erschreckender Tiefstand von rund 350 000 bis 400 000 Elefanten erreicht.

Eine Studie zeigt auf, dass die Elefantenbestände in den afrikanischen Schutzgebieten nur 25 Prozent dessen betragen, was unter den dortigen Lebensbedingungen zu erwarten wäre. Mit anderen Worten: Die 73 großen Schutzgebiete Afrikas bieten ausreichend Platz und Nahrung für weitere 730 000 Savannenelefanten.

Etwa 10 000 bis 15 000 Elefanten fallen jedes Jahr den Wilderern zum Opfer. Die Wilderei in großem Stil hat sich mittlerweile von Ostafrika nach West- und Südafrika verlagert.

Die Situation in Asien ist dramatisch

Logging - Elefanten in der Holzwirtschaft

Insgesamt gibt es in Asien nur noch rund 45 000 wild lebende Elefanten, Indien stellt mit ca. 27 000 die größte Population.  Rund 15 000 Tiere werden in asiatischen Ländern in Gefangenschaft gehalten, die meisten von ihnen unter entsetzlichen Bedingungen. Auch für die Elefanten in der Tourismusindustrie in Thailand spitzte sich die Lage aufgrund der Covid-19-Krise seit März dramatisch zu: Aufgrund ausbleibender Touristen können die meisten Besitzer das Futter ihrer Elefanten nicht mehr finanzieren – vielen Elefanten droht der Hungertod oder ein Verkauf zur qualvollen Arbeit in der illegalen Holzwirtschaft.

Der Elefantenschützerin Lek Chailert und ihrer Save Elephant Foundation ist es indes mit einer internationalen Kampagne gelungen, die nachhaltige Versorgung von hunderten von Elefanten zu organisieren. Mit Hilfe von Patenprogrammen wurde ein ethisches Konzept umgesetzt, das zahlreichen ehemaligen Reit-, Zirkus- und Bettelelefanten ein weitgehend freies Leben im Dschungel ermöglicht. Überdies konnten etliche Dutzend Elefanten aus schlimmen Bedingungen gerettet und in ethischen Projekten untergebracht werden. Wir haben Lek und unsere Partnerorganisation, die Save Elephant Foundation nach Kräften unterstützt und konnten mit Spenden und Patenprogrammen zum Erfolg beitragen. Unter anderem haben wir die Rettung von sieben Reitelefanten und die des jungen Elefantenbullen San Mueang aus dem berüchtigten Zoo in Phuket unterstützt.

WICHTIGE EREIGNISSE IM JAHR 2020

Höchst beunruhigende Meldungen kommen auch aus Westafrika: Die Situation der Waldelefanten ist dramatisch. Gründe sind die anhaltende Wilderei sowie die kritische Nahrungssituation aufgrund des Klimawandels.
www.futurity.org/african-forest-elephants-population-size-2352562/
therevelator.org/climate-change-forest-elephants/
science.sciencemag.org/content/370/6521/1177.1

In der Elfenbeinküste verdrängt die Kakaoproduktion die Waldelefanten. Von ehemals tausenden von Tieren sind nur noch 225 in verstreuten kleinen Gruppen übrig.
www.sn.at/panorama/wissen/kakao-verdraengt-jumbos-just-in-der-elfenbeinkueste-sinkt-der-elefantenbestand-94301461

West- und Zentralafrika sind das Epizentrum für Elfenbeinhandel. Details hier von Ofir Drori:
www.youtube.com/watch?app=desktop&feature=share&v=677ZZEnS70Q

Im Januar startet Botswana die Wiederaufnahme der Trophäenjagd auf Elefanten mit Elefantenjagd-Auktionen:
m.dw.com/de/botsuana-startet-umstrittene-elefantenjagd-auktion/a-52297948

Berichte über hunderte toter Elefanten im Nordwesten von Botswana schockieren zwischen März und Juni 2020 die Öffentlichkeit. Die Kadaver werden in einer relativ kleinen Region aufgefunden. Zunächst ist von bis zu 400, später sogar von 700 toten Tieren die Rede. Wochenlang wird recherchiert, um der Todesursache auf die Spur zu kommen, unter anderem werden Proben an ausländische Labore verschickt. Ein definitives Ergebnis kann indes nicht ermittelt werden – vermutet wird am Ende, dass toxische Blaualgen in den Wasserlöchern zu der Katastrophe geführt haben könnten.

Eine Studie der Environmental Investigation Agency (EIA) kommt im Juni zu dem Ergebnis, dass die Elefantenwilderei in Afrika in den letzten 10 Jahren nicht abgenommen habe:
eia-international.org/news/leading-scientists-conclude-elephant-poaching-in-africa-has-not-decreased-in-past-decade/

Im August sterben mehr als 25 Elefanten in der Panda Masui Region in Simbabwe. Auch hier lässt die Ursache sich nicht zweifelsfrei ermitteln. Angenommen wird eine bakterielle Vergiftung.

Parallel werden weitere Berichte über Minenprojekte in Nationalparks in Simbabwe bekannt. Gefördert werden Kohle, Gold und andere Bodenschätze:
www.rnd.de/panorama/simbabwe-erlaubt-chinesischen-firmen-kohleforderung-im-nationalpark-DJQWE4BAUJCHJCIWDLFVPWW2VU.html

Im September werden Pläne zu Ölbohrungen in der Kavango-Region in Namibia/Botswana bekannt. Eine kanadische Ölfirma plant Testbohrungen, wahrscheinlich auch das hoch umstrittene Fracking, und erwartet große Ölvorkommen unter dem UNSECO-Weltnaturerbe Okavango-Delta. Anfang Dezember erreicht die Ausrüstung für Ölbohrungen Namibia. Die Pläne bergen hohe Risiken für das Ökosystem und die letzten großen Elefantenpopulation der Welt.

Anfang Dezember kündigt Namibia den Verkauf von 170 Elefanten an meistbietende Käufer an. Artenschützer sind entsetzt. Wir planen entsprechende Proteste.

EINIGE AKTIVITÄTEN VON FUTURE FOR ELEPHANTS

Gemeinsam mit einem Filmteam des ZDF haben wir der Jagdmesse in Dortmund einen Besuch abgestattet. Daraus entstanden ist ein Beitrag im Magazin Frontal21, der viel Aufmerksamkeit hervorrief:
www.zdf.de/politik/frontal-21/deutsche-auf-trophaeenjagd-lang-100.html

Überdies haben wir an Protesten gegen die Jagdmesse teilgenommen und in Kooperation mit anderen Organisationen Briefe an die Verantwortlichen geschrieben. Unsere Arbeit gegen die Trophäenjagd auf bedrohte Tierarten wird sich auf verschiedenen Ebenen fortsetzen.

2016 haben die IUCN und CITES beschlossen, nationale Elfenbeinmärkte zu schließen. 2017 hat sich eine 90%ige Mehrheit von Befragten in der EU für ein Ende des Elfenbeinhandels in der EU ausgesprochen. Im Oktober 2020 fand erneut eine Anhörung der EU-Kommission statt. Dennoch setzt der Vorschlag der Kommission noch immer nicht die vielfachen Forderungen nach einem Ende des Handels um. Dies ist erschreckend – insbesondere auch  vor dem Hintergrund mehrfach wiederholter Bitten afrikanischer Staaten, dass die EU dem Vorbild von China und den USA zur Schließung der Märkte folgen möge.
www.independent.co.uk/news/world/europe/ivory-trade-ban-eu-market-elephants-poaching-b1286060.html

Im November waren wir als Prozessbeobachter in Cottbus: Verhandelt wurde über die größte Beschlagnahmung von Elfenbein in der deutschen Geschichte. Ein vietnamesischer Staatsbürger war im Begriff gewesen 1,2 Tonnen Elfenbein mit einem Schwarzmarktwert von bis zu 2 Mio. USD nach Vietnam zu verschiffen. Das Urteil fiel unerwartet milde aus und zeigt großen Nachholbedarf bei der Ahndung von Verbrechen im illegalen Wildtierhandel:
www.deutschlandfunk.de/elfenbein-schmuggel-naturschuetzer-befuerchten-sogwirkung.697.de.html?dram:article_id=487483

Unsere Projekte in Afrika

Die Scouts von Elephant Aware Maasai Mara in Kenia leisten weiterhin überlebenswichtige Arbeit in der Lösung von Mensch-Elefant-Konflikten im Nordosten der Maasai Mara.

Mit 300 Wildhütern arbeitet die Big Life Foundation für den Schutz des Amboseli. Auch hier eskaliert die Wilderei für Bushmeat: Unter anderem werden mehrere Giraffen für den Fleischhandel getötet. Im November macht die Rodung für eine Avocadofarm Schlagzeilen, die in einem wichtigen Wildtierkorridor stattfindet. Proteste laufen.

Sichergestellte Schlingenfallen - Material für Armschmuck

Das Southern Tanzania Elephant Program (STEP) hat Konzepte für Tanzania National Parks (Tanapa) zur Lösung von Mensch-Elefant-Konflikten erarbeitet. Außerdem wird ein wichtiger Wanderkorridor umgesetzt, der die Schutzgebiete Udzungwa/Selous verbindet. Die Mbomipa WMA operiert am Rande des Ruaha-Nationalparks. Im April wurden die Scouts zur Begleitung von Fuß-Safaris trainiert – dies kann langfristig Einkünfte generieren, sobald wieder Besucher kommen dürfen. Während der Krise hat Future for Elephants zwei Monatsbudgets finanziert, damit die 30 Scouts ihre Arbeit fortsetzen konnten.

In Simbabwe unterstützen wir das Elefantenwaisenhaus ZEN in Harare. Als Neuzugänge wurden die Elefantenkälber Bumi, Kadiki und Samson aufgenommen, die sich inzwischen gut eingelebt haben. Sehr froh sind wir über die Erfolge bei der Auswilderung der Elefanten.

In Sambia fördern wir das Fortbildungsprogramm von Chipembele in South Luangwa. Aufgrund der Corona-Krise mussten die nature nights mit lokalen Schulklassen auf 2021 verschoben werden.

Neu ist unsere Unterstützung der Wildhüter von Conservation South Luangwa durch den Verkauf von Armbändern aus Schlingenfallen von Mulberry Mongoose.

Unsere Projekte in Asien

Neu in unserem Patenprogramm in Thailand ist das Elefantencamp Chok Chai, ein ehemaliges Zirkus- und Reitcamp mit über 50 Elefanten, das nun in Kooperation mit Lek den Wandel hin zu einem ethischen Modell verwirklicht. Nach wie vor unterstützen wir auch den Elephant Nature Park mit einem Patenprogramm. In dem weltweit renommierten Park sind über 3000 Tiere zu versorgen, darunter mehr als 100 Elefanten. Um nach dem Ausbleiben der Besucher Einnahmen zu generieren, werden dort mittlerweile von Mahouts und ihren Familien handbemalte Taschen und wunderschöner Schmuck gefertigt. Wir haben vor kurzem unseren Shop gestartet, in dem die kunsthandwerklichen Produkte zu haben sind.

Elefanten sterben durch Stromschlag

Auch in Indien hat die Covid-19-Situation dramatische Folgen für die Elefanten. So häufen sich etwa in West Bengalen die Todesfälle von Elefanten durch illegal errichtete Starkstrom-Zäune, mit denen in Not geratene Bauern ihre Felder schützen wollen. Bis November starben zehn Elefanten auf diese Weise einen qualvollen Tod. „Normalerweise“ kommen pro Jahr dort ein bis zwei Elefanten durch Stromschläge zu Tode. Aufgrund des Lockdowns blieben in diesem Jahr die Kontrollen durch das Forest Department weitgehend aus.

Abhilfe verspricht ein Projekt von Sangita Iyer und ihrer Organisation Voice For Asian Elephants Society, das wir unterstützen: Um die Ernte der Farmer zu schützen, sollen einfache Solarzäune errichtet werden, die das Leben der Elefanten nicht gefährden. Parallel dazu gibt es eine Aufklärungskampagne, die auf eine friedliche Koexistenz von Bauern und Elefanten abzielt. Für die Zukunft ist dies essentiell, denn die Konflikte um Land- und Nahrungsressourcen werden sich weiter verschärfen.

Ebenfalls in West Bengalen läuft Sangitas Projekt „Flash The Lights“, das die Verteilung von wiederaufladbaren Taschenlampen an die Landbevölkerung vorsieht. Damit sollen potenziell tödliche nächtliche Zusammenstöße von Menschen und Elefanten verhindert werden.

Im indischen Bundesstaat Odisha leben noch 2000 Elefanten, denen 45 Millionen menschlicher Bewohner zunehmend Lebensraum und Nahrung streitig machen. Mit einem internationalen Online-Event für die „vergessenen Elefanten von Odisha“ wurden genügend Spenden gesammelt, um auch hier die friedliche Koexistenz von Menschen und Elefanten zu fördern. Unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung werden etwa Migrationskorridore überwacht und Futterpflanzen für Elefanten angebaut, zudem laufen Aufklärungskampagnen.