Für Elefanten ist es 5 vor 12

Kampagne zum Weltelefantentag – Die Dickhäuter drohen auszusterben aufgrund von Wilderei, Elfenbeinhandel, Verlust von Lebensraum und Trophäenjagd

So wenig Elefanten gab es noch nie auf unserem Planeten. Auf die akute Bedrohung der Dickhäuter und den rasanten Verlust ihrer Bestände macht zum Weltelefantentag am 12. August die Elefantenschutzorganisation Future for Elephants mit der internationalen Social-Media-Kampagne „Gesicht zeigen für Elefanten – Stand Up For Elephants“ aufmerksam.

In ganz Afrika leben nur noch rund 400 000 Elefanten, im Jahr 1980 waren es 1,3 Millionen, 1900 noch 10 Millionen. In Asien ist die Situation noch kritischer: Dort wird die Zahl der Grauen Riesen auf unter 40 000 geschätzt.

Mit der Kampagne machen sich die Elefantenschützer für ein Verbot des Elfenbeinhandels, eine weitere Bekämpfung von Wilderei und Lebensraumverlust, sowie die Abschaffung der Trophäenjagd auf Elefanten stark; überdies propagieren sie ein Ende des Missbrauchs der Tiere im Zirkus und in der Tourismusindustrie.

Prominente Unterstützung für Elefanten

Unterstützt wird die Aktion von zahlreichen Elefantenfans weltweit. Mit dabei sind die britische Verhaltensforscherin Dr. Jane Goodall, die thailändische Elefantenschützerin Lek Chailert, die in Indien aktive Biologin und Dokumentarfilmerin Sangita Iyer, der Verein Global United FC e.V. sowie die Unternehmerin und Umweltaktivistin Thea Khama, die Frau des ehemaligen Naturschutzministers von Botswana. In Deutschland beteiligen sich etwa die PR-Unternehmerin Alexandra von Rehlingen, Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke, Ex-Fußballprofi Martin Driller und die Hamburger Galeristin Gabriele Philipp (Studio 28).

Corona-Krise verschärft Gefahr für Elefanten

„Wir kämpfen für das Überleben der Elefanten – und oft auch gegen den Irrglauben, die Situation der Elefanten hätte sich verbessert“, sagt Heike Henderson, Vorstandsmitglied von Future for Elephants. Elefanten als Schlüsselspezies seien für den Erhalt der Ökosysteme und der Artenvielfalt unabdingbar. „Zudem haben sie eine enorme Bedeutung für die Wirtschaft und den Tourismus zahlreicher Länder“, so Henderson. Aufgrund der Corona-Krise hat sich das Risiko der Wilderei deutlich verschärft: „Die Elefanten fallen der menschlichen Gier zum Opfer – die Nachfrage nach Elfenbein hält an.“

Mindestens ebenso gravierend wirkt sich der rapide Schwund der Lebensräume aus. Menschen dringen immer weiter in die von Elefanten bewohnten Gebiete vor; die Grauen Riesen müssen sich in ihrem Lebensraum zunehmend mit Siedlungen, Feldern, Viehweiden und Straßen arrangieren. Eskalierende Mensch-Elefant-Konflikte sind die Folge. Meist fehlen zudem geeignete Wanderkorridore, die die Rückzugsgebiete der Tiere miteinander verbinden. Konzepte, die eine friedliche Koexistenz ermöglichen, seien vorhanden, betontHenderson, „diese müssen verstärkt gefördert und umgesetzt werden“.

„Trophäenjagd ist nicht akzeptabel“

Ein Thema, das immer mehr Tier- und Artenschützer auf die Barrikaden treibt, ist die Trophäenjagd. „Dass noch immer Elefanten und andere bedrohte Wildtiere aus Lust am Töten abgeschossen werden, ist nicht akzeptabel“, sagt Future for Elephants-Vorstandsmitglied Dr. Christian Felix. Skandalös sei auch, dass die Körperteile der getöteten Tiere als „Jagdtrophäen“ legal nach Deutschland eingeführt werden dürften. Allein zwischen 2017 und 2019 wurden 85 Elefantentrophäen importiert.

Massensterben von Elefanten in Botswana: Vergiftung explizit nicht ausgeschlossen

Die Ursachen des jüngsten Massensterbens von Elefanten in Botswana sind weiterhin ungeklärt. Seit März wurden laut lokaler Elefantenschützer im Seronga-Gebiet im Nordwesten des Landes die Kadaver von über 350 Elefanten gesichtet. Eine Vergiftung der Tiere wurde am 7. August in einer Meldung des Umweltministeriums explizit nicht ausgeschlossen. Weitere Untersuchungen sind dringend erforderlich, um die Ursachen festzustellen und Maßnahmen einzuleiten. Eine erschreckende Entdeckung machten Forscher kürzlich bei der Luftüberwachung des Gebiets: Wo sich normalerweise Hunderte von Elefanten aufhalten, wurden nur noch acht Individuen gesichtet. Die hoch intelligenten Tiere sind womöglich in Panik geflohen, was zu neuen Konflikten führen könnte – etwa, wenn die traumatisierten Dickhäuter in der Nähe von Siedlungen auftauchen.
Botswana beherbergt mit 130 000 Tieren die größte Elefantenpopulation Afrikas, aber auch hier ist die Tendenz sinkend. Nun werden immer mehr Stimmen laut, die einen Stopp der Wiederaufnahme der Trophäenjagd in Botswana fordern. Dringend geboten ist zudem die Umsetzung des auch von Deutschland finanzierten länderübergreifenden Schutzgebietes Kavango-Sambesi" (Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area, KAZA TFCA), das grenzüberschreitende Migrationsrouten fördern soll.

Asien: Elefanten als Tourismusattraktionen missbraucht

Noch dramatischer ist die Lage der asiatischen Elefanten, deren Population auf unter 40 000 Tiere gesunken ist. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums etwa in Indien schrumpft der Lebensraum der Tiere in frappierendem Tempo, die Habitate sind zerschnitten. Zahlreiche Elefanten fallen den daraus resultierenden Konflikten zum Opfer oder werden für die Vermarktung ihrer Haut oder Stoßzähne abgeschlachtet. Überdies leben tausende von asiatischen Elefanten unter entsetzlichen Bedingungen in Gefangenschaft und werden als Tourismusattraktionen, Tempelelefanten oder Arbeitstiere zur illegalen Urwaldabholzung missbraucht.

Beitrag von Deutschland für Elefanten gefordert

Auch Deutschland sei gefordert, das Überleben der Elefanten zu sichern, sagt Heike Henderson. Die Schließung des nationalen Elfenbeinmarktes hält sie für unumgänglich: „Dies hätte weltweite Signalwirkung“. Die EU konnte sich bislang nicht zur Beendigung des Elfenbeinhandels durchringen.

Zum Schutz der Elefanten kann auch jeder Einzelne etwas beitragen, etwa indem keine Zirkusvorstellungen mit Wildtieren besucht werden. Bei Reisen in asiatische Länder sollten Elefantenreiten oder -shows tabu sein. Empfehlenswert sind ethische Elefantenprojekte, in denen die Elefanten bei ihren artgerechten Verhaltensweisen beobachtet werden können.