Elefantentourismus

Elefanten ihre Würde zurückgeben

Den Missbrauch beenden: Elefantenreiten, Zirkuskunststücke oder religiöse Festivals bedeuten immenses Leid für die Grauen Riesen

Noch immer bestaunen viele Menschen Elefanten im Zirkus, posieren im Asienurlaub mit einem Elefantenbaby oder lassen sich von einem Dickhäuter durch die Landschaft tragen – ohne zu wissen, was die Tiere dafür erleiden mussten.

Die traurige Realität ist, es gibt keine "sanften" Trainingsmethoden, um Elefanten abzurichten – egal, ob es sich um das Schleppen von Holz im Urwald handelt, um Zirkuskunststücke oder Elefantenreiten. Auch die religiösen Festivals und Prozessionen, bei denen aufwendig kostümierte Elefanten in Indien oder Sri Lanka auftreten müssen, sind für die sensiblen Dickhäuter mit immensen Qualen verbunden.

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Diejenigen, die mit Elefanten auf diese Weise Geld verdienen, tun alles, um die Brutalität zu verschleiern, mit der die Elefantenbabys auf „traditionelle“ Weise gebrochen werden. Doch mittlerweile gibt es zahlreiche undercover entstandene Foto- und Filmdokumentationen, die schockierende Szenen zeigen. Die thailändische Elefantenschützerin Lek Chailert war eine der ersten, die den sogenannten "Crush" oder „Phajaan“ filmisch dokumentiert und ans Licht gebracht haben. Sie erhielt deswegen sogar Todesdrohungen. Die Elefantenlobby fürchtet den Verlust ihrer Profite.

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Dass die grausamen Methoden nach wie vor Standard sind, hat zuletzt eine groß angelegte Studie der Organisation World Animal Protection (WAP) im vergangenen Jahr gezeigt. Dies ging auch durch die internationale Presse - hier ein Artikel dazu aus der Daily Mail:
https://www.dailymail.co.uk/news/article-8868395/Horrific-footage-shows-baby-elephants-broken-cruel-training-camps-Thailand.html

Im Video ist zu sehen, wie Elefantenbabys von ihren Müttern getrennt werden, um ihnen die emotionale Unterstützung zu nehmen. Dazu werden sie jeweils an einen anderen Elefanten gebunden und weggezerrt. Zu sehen ist auch die verzweifelte Reaktion zweier Mütter, die sich in ihre Ketten stemmen und schreien. https://videos.dailymail.co.uk/video/mol/2020/10/22/2173075331949703611/640x360_MP4_2173075331949703611.mp4

Übrigens wurden die schlimmsten Misshandlungen von WAP bewusst herausgeschnitten. Man wollte dem Publikum nicht zu viel zumuten. Doch allein der Anblick der in die sogenannte „crush box“ – eine Art Holzgatter - gefesselten Elefantenbabys ist nahezu unerträglich. In einer Szene ist trotz Verpixelung zu sehen, wie der blutüberströmte Kopf eines Babys mit Wasser abgewaschen wird. Eins der Folterinstrumente ist der scharfe, spitz zulaufende Eisenhaken, der an einem Stock befestigt ist ("bullhook").

Die traumatische Erfahrung, hilflos dem Menschen ausgeliefert zu sein, werden die Elefantenbabys nie mehr vergessen. Sie haben verinnerlicht, dass es großen Schmerz bedeutet, wenn sie Kommandos nicht befolgen. Diese Erfahrung wird so tief eingebrannt, dass später die bloße Anwesenheit des Hakens oder eines Stockes genügt, um die Erinnerung aufleben zu lassen. Im Zirkus läuft es nach demselben Prinzip. Im Training werden Elefantenhaken oder Elektroschocker benutzt. Beim Auftritt vor Publikum hat der Dresseur dann lediglich einen Stock oder einen in der Hand verborgenen Mini-Haken, mit dem empfindliche Punkte beim Elefanten getriggert werden. Dies wurde ebenfalls filmisch dokumentiert, z.B. bei der Elefantennummer von René Casselly, der leider auch in Deutschland in etlichen Weihnachtszirkussen bereits zu sehen war.
https://www.peta.de/themen/casselly/

Das alles ist mehr als herzzerreißend, um so mehr, wenn man sich mit Elefanten und ihrer Lebensweise etwas befasst hat. Die größten Landlebewesen sind hoch intelligent und führen ein faszinierendes Sozialleben. Weibliche Familienmitglieder bleiben ihr Leben lang zusammen, unterstützen sich gegenseitig bei der Betreuung des Nachwuchses, kommunizieren auf komplexe Weise miteinander und pflegen anrührende Beziehungen. Bekannt ist ebenfalls, dass die Dickhäuter um verstorbene Artgenossen trauern und deren Gebeine aufsuchen.

All dies spricht auch gegen die Haltung in Zoos, denn dort können Elefanten ihre artgerechten Verhaltensweisen kaum ausleben. Höchst fragwürdig sind auch die Zuchtprogramme der Zoos. Elefantenbabys sind attraktiv fürs Publikum, doch ihre Sterblichkeit in Zoos ist hoch. Zudem werden häufig Familienmitglieder voneinander getrennt, um Inzucht zu vermeiden – auch dies ist eine Grausamkeit gegenüber den empfindsamen Tieren.

Es ist höchste Zeit, den Missbrauch zu beenden und den Grauen Riesen ihre Würde zurückzugeben.

Jede/r von uns kann dafür einiges tun:

  • Keine Zirkusse oder Shows besuchen, in denen Elefanten oder andere Wildtiere „Kunststücke“ vorführen
  • Niemals auf Elefanten reiten, mit Elefantenbabys „kuscheln“ oder für Fotos posieren
  • Keine religiösen Veranstaltungen mit sog. „Tempelelefanten“ besuchen
  • Sich vor Reisen in Länder mit Elefantentourismus über ethische Projekte *informieren, in denen die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können
  • Freund*innen und Familie aufklären
  • Eine Patenschaft für einen geretteten Elefanten übernehmen
  • Den Elefantenschutz mit Spenden unterstützen

Ein phänomenales Erlebnis ist es auch, als Freiwillige/r („volunteer“) in einem ethischen Elefantenprojekt - etwa in Thailand mitzuarbeiten. Möglich ist dies unter anderem in Lek Chailerts legendärem Elephant Nature Park: Dort leben über 5 000 gerettete Tiere, darunter mehr als 100 Elefanten. Die meisten kamen schwer traumatisiert in den Park. Zu beobachten, wie sie – von Zwang und Ketten befreit – aufblühen und ihr neu entdecktes Elefantenleben zelebrieren ist immer wieder ein wunderschönes Schauspiel.

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So etwa in diesem Video: Zu sehen ist eine im Elephant Nature Park neu gebildete „Familie“ aus zwei Elefantenmüttern und ihren Babys sowie zwei Elefanten-"Nannys", die sich um die Kleinen kümmern, um die Mütter zu entlasten.

https://www.youtube.com/watch?v=SIyYPKqg6wg

Bleibt zu hoffen, dass solche Bilder die Zukunft des Elefantentourismus darstellen.

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