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Schutz für Elefanten – Das Projekt Elephant-Aware-Maasai-Mara in Siana

Siana liegt im nordöstlichen Teil des Maasai-Mara-Ökosystems und hat einschließlich dem Gebiet, das zwei conservancies zugerechnet wird, eine Fläche von etwa 688 qkm und liegt auf einer Höhe von ca. 2000 m.

In Siana ist es Elephant Aware (EA) bisher gelungen mindestens 400 Elefanten zu identifizieren und in der elephant voices mara elephant database zu registrieren. Diese Elefanten teilen sich das frei zugängliche Weideland mit Rinder-, Schaf- und Ziegenherden. Daneben gibt es Löwen, Leoparden, Geparden, Hyänen, Elands, Büffel, Gnus, Impalas, Giraffen und Zebras (alle Tierarten der Maasai Mara, außer Nashörnern und Flusspferden). Siana ist, neben dem Naboisho-Conservancy, auch ein bevorzugter Lebensraum für die großen Elefantenbullen des Mara- Ökosystems, da sie Buschland und Wälder den weiten Grassavannen vorziehen.

Konflikte ergeben sich hier gerade in den Gemeindegebieten, wenn umherstreifende Elefanten auf der Suche nach Wasser und Nahrung unverhofft auf Menschen und deren Viehherden treffen, oder ihre früheren Wanderrouten durch neu errichtete Grenzzäune, die die Grundstücke der Maasai schützen sollen, versperrt sind. Menschen, sowie vorbeifahrende Motorrad- und Moped-Taxis, und auch Frauen, die täglich unterwegs sind, um Brennholz zu sammeln, können Opfer von Elefanten oder von Raubkatzen wie Löwen werden.

Oft verirren sich die Tiere zum Beispiel in den umzäunten Grundstücken und können zunächst den Ausweg nicht mehr finden. Wenn sowohl die Tiere als auch die Menschen in Panik geraten, kann das für beide Seiten fatale Folgen haben. Hier versuchen die Ranger von Elephant Aware zu vermitteln. Oft genügt es den Maasai, dass sie in diesen Situationen ernstgenommen werden, und oft reichen einfache Verhaltensregeln, die ihnen die Ranger erklären, um die Lage zu entspannen. Beispielsweise den Elefanten einfach mehr Raum und Zeit zu geben, bis sie selbst einen Ausweg aus der Umzäunung gefunden haben. Oder die Viehhirten werden rechtzeitig gewarnt, wenn sich ihre Herden einer Elefantengruppe (oder auch einem Löwenrudel) nähern, damit die Maasai die Möglichkeit haben, der Gefahr auszuweichen. Darüber hinaus ist die Wilderei weiterhin eine große Bedrohung für die afrikanischen Elefanten, aber zum Glück hat die Elefantenwilderei in Kenia aufgrund der engagierten Bemühungen der kenianischen Naturschützer nachgelassen.

Die Ranger überwachen verletzte Tiere und ziehen, wenn nötig, die Mara Veterinary Unit des David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT) hinzu, um zu helfen. Durch ihre Erfahrung sind die EA-Ranger in der Lage, Verletzungen an Elefanten zu erkennen. Bei Bedarf wird unter bestimmten Umständen auch eine 24-Stunden-Überwachung des verletzten Tieres eingerichtet.

Regelmäßig gehen die Ranger in die Nachbargemeinden und halten Informationsveranstaltungen in Gemeindeversammlungen und Schulen ab. Elephant Aware legt großen Wert auf eine vertrauensvolle Beziehung zu den ansässigen Maasai-Gemeinschaften, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Respekt und Verständnis spielen eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Elefanten in Siana und deren Lebensraum. Oft erhalten die Ranger wichtige Informationen von Mitgliedern aus der Gemeinschaft, zum Beispiel über Wilderer oder HEC (Human Elefant Conflicts). Bei Bedarf werden die Ranger von EA auch direkt um Hilfe gerufen.

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist sicher auch, dass alle EA-Ranger selbst Maasai sind und aus den umliegenden Gemeinden stammen, was ihnen bei ihrer Arbeit hilft. Sie sprechen die gleiche Sprache, sie verstehen die Ängste, die Probleme, die Herausforderungen und die Bedürfnisse der lokalen Maasai, so wie sie es selbst erlebt haben, bevor sie dem Projekt beigetreten sind.

Derzeit beschäftigt Elephant Aware zwölf Ranger – alle sind Maasai aus den umliegenden Gemeinden. Einige der Ranger leben mehr als 10 km vom EA-Basislager entfernt und laufen täglich bis zu zwei Stunden, um zum EA-Camp zu gelangen. Dieser „Arbeitsweg“ beginnt morgens um 6 Uhr und ist bereits Teil der ersten Patrouille des Tages. Der nächste Patrouillengang beginnt um 8 Uhr, nachdem die Ranger gefrühstückt und an einer Morgenbesprechung teilgenommen haben. In dieser Morgenbesprechung berichten die einzelnen Ranger was sie auf ihrem Fußweg zum EA-Camp gesehen haben. Sie berichten über verdächtige Aktivitäten, verletzte Wildtiere und was in den Dorfgemeinden erzählt wird. Bei der anschließenden Patrouille sind die Ranger meistens entweder paarweise zu Fuß unterwegs, oder sie werden von Fahrzeugen bis zum Rand abgelegener Gebiete gebracht, die weit vom Basislager entfernt liegen, teilweise selbst für Geländewagen sehr schwer zugänglich sind und daher nur zu Fuß durchkämmt werden können. 

Die Ranger überwachen sogenannte Brennpunkt-Gebiete vor allem dort, wo häufig Konflikte auftreten. Elephant Aware arbeitet im Wesentlichen „ohne Grenzen“. Dies spiegelt nicht nur die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit anderen Naturschutz-/Tierschutzpartnern wider, sondern ist auch ausgesprochen wertvoll für die täglichen Bemühungen des Teams. Viele gefährliche Begegnungen zwischen Menschen und Elefanten oder anderen Tieren können mit Hilfe der Ranger verhindert werden. Des Weiteren versuchen die Ranger das Bewusstsein ihrer Mitmenschen für Elefanten und Wildtiere allgemein zu schärfen.

Elephant Aware operiert hauptsächlich in der Region Siana, die sowohl aus gemeinschaftlich genutztem Land als auch aus den beiden conservancies Olarro und Siana Mara Conservancy besteht, die sich in unmittelbarer Nähe zum EA-Camp befinden. Abgelegene Gebiete werden zwei- bis dreimal pro Woche patrouilliert, wobei die EA-Ranger Distanzen bis zu 30 Kilometer am Tag zurücklegen. Die Elephant Aware Ranger sind nicht bewaffnet (so wie die meisten Conservancy- und Community-Ranger in Kenia), abgesehen von ihren traditionellen Maasai-Messern.

Aufgaben von Elephant Aware im Überblick:

⁃ Tägliche Patrouillen zu Fuß und mit Fahrzeug-Backup

⁃ Tägliche Überwachung von Elefantenherden

⁃ Enge Zusammenarbeit mit der Mobile Mara KWS / DSWT Veterinäreinheit, KWS, NCC und benachbarten Naturschutzgebieten

⁃ Abschwächung und Prävention von HEC und allen Vorkommnissen im Bereich Mensch-Tier-Konflikt

⁃ Fortbildungen in Gemeinschaften und Schulen zum Thema Verhalten von Elefanten und anderen Wildtieren und besonders Sicherheit in der Tierwelt

⁃ Bewusstsein für den Wert von Elefanten und Wildtieren durch den Tourismus und letztendlich den Wert der Wildtiere für das Maasai-Erbe

⁃ Bereitstellung von Lösungen zur Vermeidung von Konflikten (z. B. Eco Jikos – das sind kleine umweltfreundliche Öfen zum Kochen, die unabhängig von Holzkohle funktionieren und somit Wälder erhalten, aber auch das Aufeinandertreffen von Mensch und Wildtier im Busch verhindert)

⁃ Unterstützung speziell für Mädchen und Frauen (Schulgebühren für junge Mädchen, Schmuckherstellung von Maasai-Frauen durch Mikroprojekte)

⁃ Elephant Aware ist ein wichtiger Arbeitgeber und eine wichtige Einkommensquelle in einem Bereich, in dem weder Beschäftigungsmöglichkeiten noch Wohlstand vorhanden sind

⁃ Nachhaltige Nutzung von Gemeinschaftsflächen im Einklang mit dem Lebensstandard der Maasai und der Erhaltung des Lebensraums für die Maasai-Gemeinschaften und der Wildtiere.

Elephant Aware wurde Anfang 2009 von der Familie Cowell gegründet, um mit ihrem engagierten Ranger-Team die grassierende Wilderei in Siana zu stoppen, und die andauernden Mensch-Elefant-Konflikte zu reduzieren. Nick Cowell, Co-Direktor von Elephant Aware, war sein Leben lang im Natur- und Artenschutz tätig, unter anderem als Projektleiter des Rhino-Rescue-Programms in Kenia, und als Ehrenranger des Kenyan Wildlife Services. Das Elephant-Aware-Maasai-Mara-Projekt arbeitet unter der Schirmherrschaft des Wildland Conservation Trust, einer offiziell eingetragenen, wohltätigen und gemeinnützigen Stiftung in Kenia. Elizabeth und Nick, die Leiter des Projekts, kümmern sich um alle Belange der Organisation, insbesondere um den gesamten Betrieb von Elephant Aware. Ihr Sohn Will Cowell leitet das Elephant-Aware-Ranger-Team, und koordiniert die Ranger-Einsätze, die den Kern des Projektes bilden, und organisiert im Notfall die Bereitstellung eines sogenannten Rapid-Respond-Teams. Tochter Gini Cowell arbeitet seit 2011 zusammen mit Joyce Poole von Elephant Voices an dem Aufbau einer Datenbank für die Mara-Elefanten. Gini und Elizabeth konzentrieren sich aktuell auch auf die Identifizierung und Verhaltensbeobachtungen von Elefanten in ihrem Einzugsgebiet und die gemeinsame Nutzung der Daten mit den EA-Rangern und dem Team. Nick und seine beiden Kinder Will und Gini sind in Kenia geboren. Das gesamte Team von Elephant Aware lebt ganzjährig im Busch in Siana im Elephant Aware Camp, um das Projekt das ganze Jahr über voll funktionsfähig zu halten.

Die Region

Das Ökosystem der Maasai Mara / Serengeti im Südwesten Kenias und im Norden Tansanias hat eine Elefantenpopulation bis weit über 3000 Tiere. Auf der kenianischen Seite dieses Ökosystems streifen die meisten Elefanten innerhalb des Maasai Mara National Reserve (MMNR) und den angrenzenden conservancies wie Naboisho, Ol Kinyei, Olare Orok, Siana und Olarro Conservancy, dem sogenannten Greater Mara Ecosystem, frei umher. Darüber hinaus gibt es eine bedeutende Elefantenbewegung durch angrenzende gemeindeeigene Weidegebiete und Maasai-Siedlungen sowie grenzüberschreitende Wanderungen nach Tansania.

Siana ist ein sehr malerischer und abwechslungsreicher Lebensraum, von ausgedehnten Savannen- und Graslandebenen bis hin zu Akazien- und Galeriewäldern entlang einer Vielzahl von Flüssen, durchsetzt mit sehr dicht bewachsenem Buschland, und riesigen Hügelketten mit dichter Vegetation. Diese Hügelketten sind wichtige Wasserreservoirs für Wildtiere, da sich hier viele natürliche Wasserquellen finden. Diese Hügel bieten außerdem eine wichtige Zuflucht für eine große Zahl von Wildtieren. Siana teilt sich eine etwa 40 Kilometer lange Grenze mit dem Maasai Mara National Reserves.

Das sogenannte Communityland gehört den lokalen Maasai-Familien, die alle Mitglieder Sianas sind. In früheren Zeiten war es so, dass die Maasai sich ihre Ländereien gemeinschaftlich teilten. Jeder durfte sein Vieh weiden lassen, wo er wollte, oder durfte auf der Suche nach neuen Weidegründen mit den Viehherden problemlos passieren. In den letzten Jahren aber haben immer mehr Familien ihr Land eingezäunt, um ihr Eigentum an den zu vergebenen Landparzellen zu sichern. Einer der Gründe hierfür ist auf die Landreform von 2010 in Kenia zurückzuführen. Hiermit wurde eine Politik geschaffen, die in bestimmten Gebieten zu einer vermehrten Abgrenzung von Privatgrundstücken anstelle von Gemeindeland (gemeinschaftlich genutztem Land) geführt hat. 

In vielen Regionen des Greater Mara Ecosystems sind die Arbeitslosenquoten vergleichsweise hoch, zum Teil liegt das immer noch an der relativ hohen Analphabeten-Rate bzw. der ungenügenden Ausbildung unter den Maasai im Vergleich zu anderen Gebieten Kenias. Ein Großteil der Beschäftigungsmöglichkeiten liegt hauptsächlich im Tourismus- und Naturschutzsektor, die überwiegende Mehrheit der Maasai findet man hier meist aber nur in den schlechter bezahlten Jobs, beispielsweise als Askaris. Die meisten Maasai-Landbesitzer sind deshalb kulturell und finanziell immer noch sehr von ihren Rindern abhängig, während sich einige Maasai ebenso wie die Landbesitzer anderer Regionen Kenias (z.B. Kikuyus) in der Landwirtschaft versuchen. In einigen Gegenden aber, wie zum Beispiel Siana, ist der Großteil des Bodens für die Landwirtschaft ungeeignet.