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Elefanten sind vom Verlust an Lebensraum wie auch der Wilderei existenziell bedroht. Dezimiert werden die Bestände der Grauen Riesen zudem kontinuierlich von der Trophäenjagd, bei der eine reiche, ortsfremde Elite – ganz in der Tradition von Kolonialherren – zum Zeitvertreib und dabei völlig legal wildern darf. Die einflussreiche Jagdindustrie hat bei der letzten CITES-Konferenz 2016 in Johannesburg ein Kontingent von rund 1000 Elefantenabschüssen pro Jahr herausgehandelt (2017: 1188) [1]. Wenn nicht alle Lizenzen von den Jagdanbietern verkauft werden können, liegt es daran, dass größere Teile afrikanischer Jagdgebiete bereits weitgehend elefantenfrei sind. Zwischen 2001 und 2015, zur Zeit der größten Wildereikrise, wurden 81 572 Jagdtrophäen (inkl. Stoßzähne, Haut, Füße, Schwänze u. v. m.) von Savannenelefanten aus ganz Afrika exportiert [2]. Namibia lässt inzwischen sogar Elefantenkühe jagen, um die bereits verkauften Quoten einhalten zu können, nachdem die älteren Bullen alle erschossen sind und sich einige Jäger weigern, die jungen Bullen umzubringen [3].

Zunehmend beobachten Wissenschaftler, dass die intelligenten Tiere aus den Jagdländern in sicherere Gegenden fliehen, wie Botswana, das 2014 die Jagd abgeschafft hat [4, 5]. Auf dem Weg dorthin werden sie nicht selten von Jägern abgepasst. Im Caprivistreifen etwa, der Botswana von Angola und Sambia im Norden trennt, aber zu Namibia gehört und damit Jagdgebiet ist, fand 2017 ein regelrechtes Massaker an Elefanten statt. Der Tötungsakt der Hobbyjäger steht dem Handwerk der Wilderer an Brutalität in Nichts nach. Die sanften Riesen sterben nicht gleich durch Schusswaffen, die eigentlich entwickelt worden sind, um Menschen zu töten. Der Tötungsprozess zieht sich hin und ist qualvoll für die sensiblen Tiere, die, schon angeschossen, in Panik um ihr Leben laufen. In dem verlassenen Camp der Jagdtouristen wurden neben verrottetem Fleisch die Schädel von 30 Elefanten mit mehreren Einschusslöchern gefunden [6].

Um diese Klientel der Großwildjäger wirbt die mächtige Jagdlobby. Beim Ausverkauf der Wildtiere verdient sie jährlich Milliarden Dollar. Um ihren Kunden ein gutes Gewissen zu geben, redet sie ihnen ein, das Töten diene dem Artenschutz. Doch hinter den Geschäften stehen Geschäftemacher, keine Artenschützer. Mit werbewirksamen Discountpreisen werden in einschlägigen Internetforen für den Abschuss der stattlichsten Elefanten großartige Umsätze erzielt.

Deutschland unterstützt die Trophäenjagd aktiv und fördert sie finanziell. In den Genuss deutscher Jagdsubventionen kommen die Länder Angola, Benin, Burkina Faso, Namibia, Niger, Sambia, Simbabwe, Tansania. Die Bundesregierung pumpt Millionen Euro, deklariert als Entwicklungshilfe, in „Vorhaben, die Berührungspunkte mit der Trophäenjagd aufweisen“, wie es offiziell heißt. Mit der Antwort der Bunderegierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Grünen wurde im September 2017 bekannt, dass allein nach 2006 für Projekte mit Jagd 280,5 Mio. Euro nach Afrika transferiert wurden. Mit dem Geld soll u. a. die Infrastruktur für die Ranger aber auch für die Trophäenjäger verbessert, Jagdgebiete ausgeweitet und neue erschlossen werden [7]. So überrascht es auch nicht, dass Deutschland nach den USA zum weltweit zweitwichtigsten Importeur von Jagdtrophäen geworden ist.

Allein zwischen 2004 und 2015 genehmigte das für den Import von Jagdtrophäen zuständige Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Einfuhr präparierter Körper von 162 getöteten Elefanten, zusätzlich von rund 900 Stoßzähnen, 600 Häuten, 180 Schwänzen, 180 Ohren, 260 Elefantenfüßen und selbst deren Genitalien nach Deutschland [8]. Die großzügige Genehmigungspraxis des BfN gilt auch bei Jagdmethoden, die in Deutschland wegen ihrer Grausamkeit verboten wären.

In ihrer Rechtfertigung folgt die Bundesregierung der Argumentationzweier großer, jagd-affiner Verbände – beide werden für „Projekte mit einer Jagdkomponente“ vom deutschen Staat zudem mit 4,1 Mio. Euro gefördert [7]. Die Einnahmen aus der Trophäenjagd sollen, so die offizielle Begründung, der lokalen Bevölkerung zugutekommen und die Tiere vor Wilderei schützen.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen ergeben jedoch ein ganz anderes Bild: Die lokale Bevölkerung verdient an den hochpreisigen Abschusslizenzen und der subventionierten Großwildjagd im Schnitt gerade mal 30 Cent pro Kopf und Jahr [9, 10, 11, 12, 13, 14, 15]. Die Einnahmen aus der Trophäenjagd fließen oftmals in dunkle Kanäle, so dass der Verdacht naheliegt, die Steuergelder der Bundesbürger festigen vor allem korrupte Strukturen in den Jagdländern Afrikas [16]. Die Jagd selbst dezimiert die Wildbestände weiter und beeinflusst den Genpool der überlebenden Tiere, auch den der Elefanten, negativ, wie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt einräumt [17]. Für die „Sportjäger“ sind die Bullen mit den größten Stoßzähnen am begehrtesten, so dass deren allzu früher Tod eine Verarmung des Erbguts zur Folge hat. Immer häufiger werden Elefanten mit verkrüppelten oder keinen Stoßzähnen geboren. Die Jagdlobby wiederum ergreift diese Gelegenheit, um Jagden auf stoßzahnlose Elefantenkühe zu rechtfertigen. Ihr Abschuss wird zu Billigpreisen angeboten.

Und was das Argument betrifft, die Trophäenjagd sei ein Instrument gegen die Wilderei, könnte die Bilanz kaum verheerender sein. Während nach 1987 Millionen Euro deutscher Steuergelder etwa in den Selous in Tansania flossen [18], dem größten Jagdgebiet auf dem afrikanischen Kontinent, nahmen die Massaker an Elefanten biblische Ausmaße an. 1976 lebten dort noch 109 000 der Grauen Riesen. Unter den Augen der Jäger und eines deutschen Naturschutzverbandes, der sich nach eigenen Angaben seit über 30 Jahren im Selous engagiert, sind 93 000 Elefanten, die meisten nach 2006 innerhalb weniger Jahre, von Wilderern rücksichtslos getötet worden. In der deutschen Nachkriegspolitik gibt es kaum ein zweites Beispiel, bei dem Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinanderklaffen.

Unterschätzt werden die psychischen Auswirkungen bei Elefanten, die den gewaltsamen Tod ihrer Angehörigen miterleben mussten. Sie sind traumatisiert, werden oft aggressiv gegen andere Tiere, gegen Menschen und sogar gegen sich selbst. Die amerikanische Verhaltensforscherin G. A. Bradshaw sieht nach eigenen langjährigen Studien im Verhalten dieser Elefanten Parallelen zu Menschen, die Genozid oder andere Grausamkeiten erlebt haben [19]. Häufig werden die aggressiv gewordenen Tiere von den Behörden dann als „Problemelefanten“ deklariert und zum Abschuss freigegeben. Unter dieser Begründung verkauft etwa das Ministry of Environment and Tourism (MET) in Namibia immer wieder Abschusslizenzen für die seltenen und vom Aussterben bedrohten Wüstenelefanten, die sich an das aride Klima der Namib angepasst haben.

Wie könnte eine vernünftige Entwicklungspolitik aussehen, die für Elefanten und andere Wildtiere hilfreich wäre? Es ist nicht damit getan, die Jagdgebiete einfach aufzulassen. Sie würden innerhalb kurzer Zeit im Kontinent mit dem höchsten Bevölkerungszuwachs in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden. Der Habitatverlust würde den Elefanten ebenso den Garaus machen wie Wilderei und Jagd. Gefragt sind intelligente Konzepte. Und hierfür gibt es gute Beispiele.

Das Southern Tanzania Elephant Program (STEP) arbeitet auf eine friedliche Koexistenz zwischen ländlicher Bevölkerung und Elefanten hin, von der Mensch und Tier profitieren. So fördert STEP etwa in Ruaha das Anlegen von Bienenzäunen, die Elefanten davon abhalten, Felder zu verwüsten. Die Bienen verschaffen den Bauern zusätzliches Einkommen durch den Verkauf von Honig. Die Ernte bleibt den Bauern erhalten – und es werden „Racheakte“ an Elefanten verhindert, wie sie nach der Zerstörung von Feldern häufig vorkommen. So können Elefanten nachhaltig geschützt werden – und locken durch ihre Anwesenheit Touristen in das Gebiet, was wiederum der lokalen Bevölkerung zugute kommt.

Vorbildliche Arbeit leistet auch die Big Life Foundation in Kenia, die sich für den Erhalt der Elefanten im Amboseli-Nationalpark einsetzt. Das Gebiet gehört zu den am meisten von Touristen besuchten in Kenia. Big Life führt zudem Schulungen für nachhaltige Landwirtschaft wie auch Stipendienprogramme durch, die über bessere Bildung neue Chancen eröffnen. 

Die Förderung von sanftem Foto- und Ökotourismus könnte für viele Communities in wertvollen, artenreichen Gebieten Afrikas eine Perspektive zur Überwindung der Armut darstellen und für ein konstruktives Verhältnis zu Wildtieren und Elefanten sorgen.  So ließe sich auch die Wilderei verringern. Leider bleibt bei diesen Projekten die Entwicklungshilfe aus Deutschland weitgehend aus, während weiterhin das Abschießen vieler vom Aussterben bedrohter Tierarten mit Millionen von Euro subventioniert wird. Dies gilt es dringend zu ändern!  

Quellen:

[1] https://www.speciesplus.net/#/taxon_concepts/4521/legal
[2] https://theecologist.org/2017/oct/17/lions-elephants-and-rhinoceros-exported-thousand-legally-trophy-hunters
[3] private Kommunikation mit John Grobler https://innovation.journalismgrants.org/people/john-grobler/2059
[4] http://elephantswithoutborders.org/uncategorized/poaching-hit-largest-elephant-stronghold-chobe
[5] https://conservationaction.co.za/resources/reports/trophy-hunting-sustainability-temporal-dynamics-trophy-quality-harvesting-patterns-wild-herbivores-tropical-semi-arid-savanna-ecosystem
[6] https://www.facebook.com/john.grobler1/posts/10155752819749919
[7] Deutscher Bundestag: Drucksache 18/13552, 18. Wahlperiode, 11.09.2017
[8] Deutscher Bundestag: Drucksache 18/9593, 18. Wahlperiode, 08.09.2016
[9] IUCN/PACO: Big Game Hunting in West Africa. What is its contribution to conservation? IUCN, Cambridge, 2009, ISBN: 978-2-8317-1204-8
[10] https://news.nationalgeographic.com/2015/11/151715-conservation-trophy-hunting-elephants-tusks-poaching-zimbabwe-namibia/
[11] https://news.nationalgeographic.com/2017/11/wildlife-watch-trophy-hunting-extinctions-evolution/
[12] https://www.sciencedaily.com/releases/2017/04/170413141120.htm
[13] http://www.hsi.org/news/press_releases/2017/02/hunting-economic-impact-report-020117.html
[14] http://www.hsi.org/assets/pdfs/economists-at-large-trophy-hunting.pdf
[15] https://conservationaction.co.za/resources/reports/lions-share-economic-benefits-trophy-hunting/
[16] https://www.nytimes.com/2016/06/14/us/politics/trophy-hunting-fees-do-little-to-help-threatened-species-report-says.html
[17] ZGF: Zahnlos durch Trophäenjagd? Gorilla 2004/01 S. 6
[18] Deutscher Bundestag: Drucksache 13/6083, 13. Wahlperiode, 12.11.1996
[19] Gay A. Bradshaw: Elephants on the edge, Yale University Press, 2010, ISBN: 978-0-3001-6783-2